In Österreich tut sich ein spürbarer Wandel auf: Eigentum wird immer teurer und schwerer erreichbar. Doch auch die Mietpreise werden nicht attraktiver. Wohin dieser Weg führt, ist schwer zu sagen. Der Unmut der jungen Generation und der zukünftige Mangel an Stabilität sind jedenfalls kein gutes Signal.
Für ältere Generationen war der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses ein fester und selbstverständlicher Bestandteil des Lebens. Für viele junge Menschen hingegen ist dies ein unrealistischer Traum geworden. Die Konsequenz ist ein struktureller Wandel: Eigentum konzentriert sich immer mehr in den Händen derjenigen, die bereits Immobilien besitzen. Langfristig kommt es somit zu einer gravierenden Verschiebung in Richtung der Erbenden und nicht der Erwerbenden.
Der Anteil junger Eigentümer sinkt in den meisten europäischen Ländern. Studien belegen, dass Haushalte von Unter-35-Jährigen deutlich seltener Immobilien besitzen als noch vor dreißig Jahren. Mieten beanspruchen einen wachsenden Teil des Einkommens, während der Vermögensaufbau in den Hintergrund gerät. Private Haushalte geben mittlerweile zwischen einem Fünftel bis zu einem Drittel ihres Budgets für Wohnkosten aus, und mehr.
In Österreich wird viel über Mietpreise, jedoch wenig über den Zugang zu Eigentum diskutiert. Wenn zu wenig gebaut wird, steigen sowohl die Preise als auch die Eintrittsbarrieren in den Eigentumsmarkt. Weniger Neubau führt zu einem verringerten Angebot. Ein geringeres Angebot wiederum bedeutet höhere Preise und eine größere Distanz zwischen jungen Menschen und dem Erwerb von der eigenen Immobilie.
Die Kosten für Kredite spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierungen und strengere Kreditvergaben erschweren den Zugang weiter. Junge Haushalte mit begrenztem Eigenkapital scheitern oft schneller an den Anforderungen der Banken als an ihrem Wunsch nach einem eigenen Zuhause. Zudem tragen hohe Erwerbsnebenkosten, insbesondere Grunderwerbsteuer, zur finanziellen Hürde bei. Eigentum wird somit nicht nur teurer, sondern auch politisch und administrativ schwer zugänglich.
Diese Entwicklungen haben tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen. Eigentum schafft Sicherheit, Vermögen und Stabilität. Wer Eigentum besitzt, kann Rücklagen bilden, langfristig planen und hat im Alter die Wohnkosten besser im Griff. Wer jedoch nicht besitzt, ist den Entwicklungen der Mietpreise ausgeliefert. Eine junge Generation ohne Eigentum bedeutet auf lange Sicht weniger Stabilität, weniger Vermögensaufbau und eine immer stärker werdende Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt und politischen Entscheidungen.
Internationale Vergleiche zeigen, dass Eigentumsförderung wirksam sein kann, wenn sie auf den Ausbau des Angebots statt nur auf Subventionen setzt. Länder mit niedrigeren Erwerbsnebenkosten und effizienteren Bauprozessen weisen oft höhere Eigentumsquoten auf. Eine europäische Studie weist darauf hin, dass regulatorische Hürden den Zugang zu Eigentum bremsen und den Markt für junge Erwerber verschließen können. Eigentum entsteht immerhin dort, wo es einfacher zu planen ist.
Österreich steht vor einer entscheidenden Weggabelung. Die zentrale Frage ist nicht, ob Eigentum sozial sinnvoll ist, sondern ob die nächste Generation Zugang dazu haben wird. Wenn Eigentum zum Privileg wird, verlagert sich das Vermögen langfristig und die Schere zwischen Eigentümern und Mietern geht immer weiter auf. Ein Land, das den Zugang zu Eigentum nicht ermöglicht, produziert nicht nur Wohnungsnot, sondern auch einen Verlust an Zukunftschancen. Eigentum bildet Kapital, und Kapital schafft Handlungsspielraum. Wer keinen Zugang hat, verliert diesen Spielraum.
Eigentum ist mehr als Besitz. Es ist ein Versprechen auf Teilhabe. Und die Frage, wer dieses Versprechen künftig einlösen kann, wird bestimmen, wie fair dieses Land einmal sein wird.
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