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„Mindful Drinking“: Wie die Gen Z ihren Durst löscht

Bei Jugendlichen sind Bier und Wein inzwischen „Old School“. Gleichzeitig füllen antialkoholische Getränke auf TikTok und Co die Trendspalten. Getränkehersteller rätseln über die Trinkgewohnheiten der Gen Z. Was steckt dahinter?
Simon Macheiner  •  14. Januar 2026 Volontär    Sterne  46
Mit „Mindful Drinking“ durch den Alltag: Antialkoholische Getränke im Trend (Foto: Shutterstock.)
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Kreativ, nachhaltig und vielfältig. Seit dem Jahr 2020 wächst der Markt für Kombucha-Getränke jährlich um durchschnittlich 23,5 Prozent. Bei dem fermentierten Teegetränk handelt es sich um eines der Trend-Getränke, die die Gen Z begeistern. Auf Plattformen wie TikTok gehen Anleitungen zum Kombucha selbst machen viral. Niedriger Zuckergehalt und eine Vielzahl unterschiedlicher Geschmäcker, Kombucha erlebt einen Boom.

Sinkende Nachfrage

Laut Umfragen haben 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen dem Alkohol komplett abgeschworen. Branchenexperten führen einen veränderten Lebensstil und stärkere Konkurrenz zu Wein und Bier am Markt als Ursachen an. Aufklärung an Schulen und Bildung soll ebenfalls eine Rolle spielen. Die Getränkehersteller stehen damit vor einer Herausforderung.

Neuer Wein in alten Schläuchen?

Denn Kombucha ist nur ein Beispiel für die Veränderungen am Markt. Alternativen zu Wein und Bier wurden in den letzten Jahren immer populärer. Vor allem antialkoholische Getränke sind im Trend. Mit modernen Verfahren lässt sich Alkohol entfernen, bei annähernd gleichem Geschmack. Neben alkoholfreien Weinen und Spirituosen entstehen sogenannte „Proxys“, Ersatzgetränke für Wein und Co. Kombucha, hochwertige Tees und Säfte bieten dafür die Basis.

Gesund gilt als cool

Das Schlagwort „Mindful Drinking“, also bewusstes Trinken, spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wieder. Ein gesundes Leben wird zum Statussymbol. Sport, Zeit in der Natur und selbst kochen, junge Menschen achten mehr auf ihre Gesundheit. Das insgesamt wachsende Bewusstsein für schädliche Lebensweisen schlägt sich auch in den Trinkgewohnheiten der Gen Z nieder. Soziale Medien machen eine gesunde Lebensweise „cool“.

Soziale Medien als Katalysator

Trends wie der „Dry January“, auf Deutsch „trockener Jänner“, rufen dazu auf, einen ganzen Monat lang keinen Alkohol zu konsumieren. Die Marke Laori etwa nützt diesen Trend und bietet für den „Dry January“ Drink-Sets an. Für 110 Euro gibt es sieben verschiedene Flaschen zum Mischen von Longdrinks oder Cocktails. Beeren, Wacholder oder Grapefruit liefern eine breite Auswahl an Geschmäckern.

Konsumenten finden am Markt zahlreiche Alternativen für die Klassiker. Der Sambhugo des Herstellers ciemme bietet eine leicht alkoholhaltige Alternative für den Hugo-Spritz. Eine Flasche liegt bei sieben Euro.

Veränderte Gewohnheiten

Den Trend bestätigt auch eine Studentin im Gespräch mit campus a. „Bier und Wein fühlen sich oldschool an. Es gibt viele neue Drink-Ideen, die wir auf Instagram mitbekommen und selbst machen können. Ich fühle mich besser und gesünder dadurch“, sagt die 19-jährige Marlene. Auch viele ihrer Freundinnen würden sich ähnlich verhalten. „Statt am Freitagabend feiern zu gehen, treffen wir uns häufiger am Vormittag in einem Cafe. Da konsumieren wir dann nichts Alkoholisches, sondern probieren etwas anderes aus“.

Der Mocktail

Einer der Schlager auf Partys und in Bars ist der Mocktail. Dabei handelt es sich um einen Cocktail ohne Alkohol. In Sachen Geschmack und Aussehen soll er dem klassischen Cocktail um nichts nachstehen. „Es ist mittlerweile normal, beim Fortgehen nur wenig Alkohol zu trinken. Da gibt es auch keinen Gruppenzwang mehr“ erzählt die Salzburger Studentin Maria im Gespräch mit campus a. Alkoholfreie Aperitifs füllen mittlerweile auch die Supermarktregale.

Der ISH-Spritz etwa ist einer der beliebten neuen Mocktails. Bitterorange, Kräuter und Kohlensäure zeigen die Ähnlichkeit zu klassischen Aperitif-Getränke auf. Eine Dose kostet im österreichischen Handel etwa 3,50 bis 4 Euro. In sozialen Medien gelten alkoholfreie Aperitifs als erwachsene, stylische Alternative zu Limonade.

Experten mahnen zur Vorsicht

Auch das alkoholfreie Bier erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Das Getränk dient neben maßvollem Feiern als Durstlöscher nach dem Sport. Gleichzeitig warnen Experten davor, alkoholfreie Alternativen in Hinblick auf Zuckergehalt und Zusatzstoffe zu unterschätzten. Sie empfehlen, auch alkoholfreies Bier nur zu besonderen Anlässen einzuschenken.

Die Märkte reagieren

Zahlreiche neue Startups wittern eine Chance, am hart umkämpften Getränkemarkt Fuß zu fassen. Auch Supermarktketten spüren die veränderte Nachfrage. Rewe (Billa, Penny, Bipa) bestätigt auf campus a Anfrage: „Aktuelle Marktbeobachtungen und -entwicklungen zeigen, dass insbesondere die Generation Z weniger Alkohol konsumiert und stärker auf Gesundheit, Nachhaltigkeit und Individualität achtet.“

Die Nachfrage verschiebt sich nicht nur zugunsten gesünderer Getränke. „Bei der Gen Z sind grundsätzlich Getränke ohne Alkohol, aber mit Wirkung gefragt. Zum Beispiel Energydrinks“, sagt Nicole Berkmann, Pressesprecherin von Spar.

Rewe bietet seit 2025 bereits ein eigenes Kombucha-Produkt an, hergestellt aus rein österreichischen Zutaten. Die Basis dafür könnte gesünder nicht klingen: Brennnesseltee.

 

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