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Haustür statt Automat: Zustelldienste punkten mit Abholservice

Wer es satt hat, leere, klebrige Pfandflaschen zum Supermarkt zu schleppen, könnte sich das mit einem einfachen Trick ersparen. Onlinelebensmittelhändler wie gurkerl.at nehmen die leeren Dosen bei Lieferung neuer Ware direkt an der Haustür wieder mit. Nimmt dieser bequeme Service den klassischen Supermärkten Kunden weg?
Julia Ehrensberger  •  15. Januar 2026 Redakteurin    Sterne  568
Tropfende Säcke, klebrige Finger, Anstellen am Automaten: Wer Getränke online bestellt, braucht die vollen Gebinde zuerst nicht schleppen und kann die leeren bei der nächsten Lieferung an der Haustür abgeben. (Foto: APA Images (Weingartner))
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Jeder kennt und hasst es. Leere Pfandflaschen stapeln sich in der Küche und müssen in tropfenden Müllsäcken zum Supermarkt gelangen. Dann heißt es, sich am Automaten anzustellen und Flasche um Flasche hineinzuschieben. Und am Ende? Ein Zettel mit 2,75 Euro, der mit dem übelriechenden Colaresten von vor zwei Wochen an den Fingern kleben bleibt. Immerhin.

Der nervtötende Gang zum Pfandautomaten lässt sich mit einem einfachen Trick vermeiden. Wer seine Lebensmittel oder Getränke bei Onlinelebensmittelhändlern wie gurkerl.at bestellt, muss sich darüber keine Sorgen mehr machen. Denn deren Lieferanten nehmen die Pfandflaschen bei der nächsten Bestellung direkt ab Haustür wieder mit. Egal, woher die Dosen oder Flaschen stammen. Sie registrieren das Leergut wird im System und schreiben den Pfandbetrag als „Credit“ für die nächste Bestellung gut. Bis zu vierzig Flaschen oder drei Getränkekisten sind bei gurkerl.at pro Lieferung erlaubt.

Supermärkte verzichten auf Onlinehandel

Billa Online bietet auch einen solchen Rücknahmeservice an. Kunden können leere Pfandbehälter in Haushaltsmengen bei der Zustellung abgeben. Der Pfandbetrag landet als Guthaben im Online-Shop-Konto. Billa akzeptiert aber nur Flaschen und Kisten aus den eigenen Läden. Doch der Onlinelieferservice, der seit einem Jahr nur noch in Wien verfügbar war, wird mit Ende Jänner 2026 eingestellt. In einer Aussendung begründete Billa das mit gestiegenen Kosten und einem veränderten Kundenverhalten.

Der Konzern, der sich als Pionier und Marktführer in der Lebensmittelzustellung sah, setzt nun eher auf Selbstabholung über Click & Collect und Kooperationen mit Firmen wie Foodora in ausgewählten Städten.

Hofer betreibt keinen eigenen Lieferdienst, arbeitet dafür aber mit dem unabhängigen Online-Lieferservice ROKSH zusammen, der in Wien und Umgebung verfügbar ist. Dort können Kunden ihre leeren Pfandflaschen ebenfalls direkt bei der Lieferung zurückgeben. Nach der Rückgabe erhalten sie eine Bestätigungs-E-Mail mit einer Übersicht der zurückgegebenen Verpackungen und dem entsprechenden Pfandwert. Dieser Betrag wird anschließend als ROKSH-Gutschein gutgeschrieben, einlösbar beim nächsten Einkauf via ROKSH.

Spar, der größte heimische Lebensmittelhändler, hat seinen Online-Shop bereits mit 31. Jänner 2025 endgültig eingestellt und bietet damit auch keine Pfandrücknahme über Lieferdienste an. Die Einstellung erfolgte schrittweise, zunächst in Salzburg, später in Wien und Umgebung. Damals begründete eine Unternehmenssprecherin den Rückzug mit „hohen Logistikkosten“ und einem erheblichen organisatorischen Mehraufwand durch die Einführung des neuen Einwegpfandsystems. Zu den Gründen für die endgültige Schließung des Online-Angebots wollte sich Spar zuletzt jedoch nicht näher äußern.

Gurkerl befindet sich hingegen auf einem regelrechten Erfolgskurs. Stand Mai 2025 hat die Firma seit der Modernisierung ihres Logistikzentrums im Oktober 2024 seine Kapazitäten verdoppelt, die Produktverfügbarkeit erhöht und die Bearbeitung von Bestellungen deutlich beschleunigt. Das Wiener Zentrum ist damit der produktivste Standort der Rohlik Group, zu der gurkerl.at gehört. Auch wirtschaftlich zeigt sich der Erfolg. Die Zahl der monatlichen Bestellungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, der Lieferdienst erreichte im Mai einen branchenweit führenden Net Promoter Score von mehr als achtzig von hundert. Der Net Promoter Score (NPS) ist eine Kennzahl zur Messung der Kundenzufriedenheit und -loyalität. Er zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass Kunden ein Unternehmen, Produkt oder eine Dienstleistung weiterempfehlen.

Pfandrücknahme ist rechtlich geregelt

Seit Anfang 2025 gilt in Österreich die neue Pfandverordnung für Einweggetränkeverpackungen. Damit entfällt auf alle PET-Flaschen und Dosen zwischen 0,1 und drei Litern ein Pfand von 25 Cent, egal, ob das Getränk im Supermarktregal steht oder im Online-Warenkorb landet.

Für Händler bringt das allerdings neue Pflichten. Alle, also auch Onlinehändler, müssen die Pfandflaschen zurücknehmen und den Pfandbetrag erstatten. Wie das geschieht, hängt von der Logistik ab. Wer über Post- oder Paketdienste liefert, darf die Rückgabe über bestehende Rücknahmeautomaten im stationären Handel abwickeln. Online-Supermärkte mit eigenem Lieferdienst hingegen sind verpflichtet, das Leergut direkt bei der Zustellung mitzunehmen und den Pfandwert zu verrechnen.

Marktvorteil gegenüber niedergelassenem Handel?

Wird die Rücknahme von Pfandflaschen damit zum Wettbewerbsfaktor für den Online-Handel? Schließlich könnte, wer seinen Kunden mit dem Pfandservice das Schleppen erspart, Loyalität gewinnen. Wenn da keine Mühen anfallen, warum dann nicht auch aus pragmatischen Gründen überhaupt vom Selber Einkaufengehen auf Liefern-Lassen umstellen? Schließlich macht es auch keinen Spaß, volle Flaschen zu schleppen.

Diese pragmatische Perspektive hat Maria Madlberger, Fakultätsleiterin des Departments für Business und Management an der Webster Privatuniversität Wien und Expertin für E-Commerce nicht. Sie sieht das wissenschaftlich. „Die Rücknahme von Pfandgebinden ist eine Serviceleistung, die gesetzlich verpflichtend ist und damit von den Kunden erwartet wird. Wissenschaftlich gesehen ist die Pfandrücknahme ein sogenannter Hygienefaktor, das heißt, sie können bei Problemen Unzufriedenheit auslösen, aber bei Vorhandensein nicht zufriedenstellen oder gar motivieren.“ Da die Pfandrücknahme aber bei allen Anbietern ähnlich sei, können sich Unternehmen wie gurkerl.at damit kaum profilieren, glaubt sie. Andererseits würden Schwierigkeiten bei der Pfandrückgabe auch zu negativen Erfahrungen führen und so der Kundenbindung schaden. Die entstehe aber primär über andere Marketingstrategien, wie den Jö-Club bei Billa.

Kein Alleinstellungsmerkmal von Gurkerl

Madlberger rechnet daher nicht mit spürbaren Marktanteilsverschiebungen durch Pfandservices. „Gerade die Lebensmittelbranche hat die geringsten E-Commerce-Marktanteile, trotz ansonsten kontinuierlich steigender E-Commerce-Anteile in anderen Branchen.“ Die Gründe dafür sieht sie einerseits in der hohen Filialdichte in Österreich, die den stationären Einkauf besonders bequem macht. Andererseits legen viele weiterhin großen Wert auf die wahrgenommene Frische von Produkten wie Fleisch, Obst und Gemüse. Onlineanbieter wie gurkerl.at hätten zwar Vorteile durch ihre Eigenständigkeit und individuelle Sortimentsgestaltung, müssten dafür aber stark in Infrastruktur investieren, etwa in kurze Lieferzeiten, um die hohen Erwartungen der Kunden zu erfüllen.

Zwar könne die Pfandrücknahme bei größeren Mengen an Flaschen einen Komfortgewinn bedeuten, gesteht Madlberger zu, doch sie bezweifelt, dass viele ausschließlich deswegen online bestellen. „Es betrifft ja auch einen relativ abgegrenzten Bereich von Getränke-Warengruppen,“ so die Expertin.

Am Ende bleibt die Möglichkeit, leere Flaschen einfach an der Haustür abzugeben, ein willkommener Zusatzservice für eine Minderheit, die im Lieferbereich von Onlinehändlern leben und sich leicht tun, regelmäßiger online zu bestellen. 

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