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Löst KI jetzt Wikipedia ab? Eine Umfrage unter Studierenden

KI ist schneller, Wikipedia vertrauenswürdiger: Was nutzen Studierende lieber? Eine Umfrage von campus a.
Marlene Seiringer  •  27. Januar 2026 Volontärin    Sterne  10
Wikipedia war gestern: Fragen Studierende heute lieber die KI? (Foto: Shutterstock)
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Als Wikipedia im Januar 2001 online ging, war die Idee ebenso einfach wie revolutionär: Wissen sollte frei zugänglich sein und alle Menschen sollen sie gemeinsam erstellen. Was als kleines Internetprojekt der beiden Gründer Jimmy Wales und Larry Sanger begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer der meistbesuchten Webseiten der Welt. Millionen Artikel in hunderten Sprachen machen Wikipedia heute zu einem Bestandteil der digitalen Wissenskultur. Für viele ist sie bis heute der erste Klick bei einer offenen Frage.

Wissen im Wandel

In 25 Jahren hat sich Wikipedia stark verändert. Die Artikel sind umfangreicher, strukturierter und in vielen Bereichen fundierter geworden. Klare Regeln bezüglich der verpflichtenden Quellennachweise sowie das offene Diskussionsforum tragen dazu bei, die Qualität der Inhalte zu erhöhen. Ebenfalls werden mögliche Fehler von der Community kritisch hinterfragt und korrigiert, was besonders bei kontroversen Themen relevant ist, da es dorft häufig zu sogenannten „Edit Wars“ kommt. Dabei ändern Autorinnen und Autoren einen Artikel wiederholt nach ihrer individuellen Sichtweise bis durch Diskussion ein Konsens gefunden wird. Zudem zensieren Staaten wie der Iran oder China Wikipedia gezielt, was die politische Sensibilität bestimmter Inhalte unterstreicht. 

Konkurrenz durch KI?

Mit dem Aufkommen von KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini und Co. hat sich der Umgang mit Wissen verschoben, wie einige Studierende bestätigen. Viele schätzen es, Antworten zu einem spezifischen Thema zu erhalten, ohne einen umfangreichen Artikel lesen zu müssen. Gleichzeitig kommt KI zum Einsatz, um Inhalte schnell erklärt oder zusammengefasst zu bekommen. ChatGPT gilt als effizient und bequem, vor allem bei Verständnisfragen. Die Salzburger Biologie Studentin Julia meint: „Chat GPT ist einfach viel praktischer in der Anwendung, da ich bei komplexen Themen noch einmal eine leichtere Erklärung generieren kann.“

Dennoch äußern viele auch Zurückhaltung gegenüber KI-Antworten. Viele betonen außerdem die Transparenz von Wikipedia, da die Quellen offen einsehbar sind. Während KI schnelle Antworten liefert, fehlt oft die Nachvollziehbarkeit. Neben der fehlenden Transparenz bei Quellenangaben kritisieren viele Studierende, dass KI-Systeme nicht belegbare oder schlicht erfundene Fakten präsentieren.

Vorteil Schneeballsystem

Obwohl KI den Zugang zu Informationen erleichtert, nutzen rund 80 Prozent der Befragten Wikipedia weiterhin als Einstieg in ein neues Thema. „Wenn ich eine wissenschaftliche Arbeit zu einem Thema schreiben soll, ist Wikipedia mein erster Schritt, um einen Einblick zu bekommen. Auch gehe ich manchmal nach dem Schneeballsystem vor und nutze die zitierte Literatur als weiterführende Vertiefung“, erklärt der Salzburger Philosophiestudent Simon. Einige Studierende beschreiben ihre Recherche als Kombination: Wikipedia zur groben Einordnung von Daten und Fakten, KI zum zusätzlichen Verständnis bei komplexen Themengebieten.

Ist Wikipedia noch up to date?

Ein Blick auf die offiziellen Daten zum Nutzerverhältnis, zeigt einen deutlichen Trend zu Künstlicher Intelligenz. Laut einer Statista Market Analyse nutzten im Jahr 2024 etwa 314 Millionen Menschen KI-Tools, was fast einer Verdreifachung seit 2020 entspricht. Gleichzeitig verzeichnet die Wikimedia Foundationen einen Rückgang um acht Prozent von Nutzerinnen und Nutzern, die auf Künstliche Intelligenz zurückzuführen ist. Von einer Erosion Wikipedias kann jedoch mit rund 130 Millionen täglichen Nutzenden kaum die Rede sein.


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