„Der Motor hält länger als der Fahrer“ hieß es über den legendären Mercedes W123. Der W123 war in den 1980er Jahren als Taxi auf vielen Straßen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus zu sehen. Das Modell war robust und verlässlich. Mercedes Taxis sind in den letzten Jahren rar geworden. Was steckt hinter dem Niedergang?
Jahrzehntelang schmückte der Mercedesstern die meisten Taxis in Österreich. Mittlerweile hat der deutsche Autohersteller seine Rolle als Marktführer in diesem Geschäftsfeld verloren. Zwischen 2009 und 2024 stieg der Anteil von Toyota bei Taxi-Neuzulassungen in Österreich von sieben auf mehr als vierzig Prozent. Lediglich 26 Prozent der neuen Taxiwägen waren 2024 von Mercedes. Der japanische Hersteller Toyota liegt auch in Deutschland vor Mercedes.
Ein Grund für den Rückgang ist Mercedes selbst. Der deutsche Autohersteller hat sich vom Taximarkt abgewandt. Mercedes bietet keine werkseitig umgebauten Taximodelle mehr an und hat Preisdiscounts für Taxiunternehmen stark reduziert.
Mercedes-CEO Ola Källenius begründet die Abkehr mit dem geringen Absatz bei Sonderversionen. Der Markt für Taxis ist zu klein, die starken Vergünstigungen nicht rentabel. Taxiunternehmen müssen somit Mercedesmodelle zum Marktpreis kaufen und zu Taxis umbauen. Eine deutsche Firma für Sonderfahrzeugbau verlangt für einen Umbau der E-Klasse zum Taxi zwischen 1.650 und 3.330 Euro. Ein stolzer Preis, den sich viele Unternehmen nicht leisten können.
Bei österreichischen Taxiunternehmen punkten vor allem Autos wie der Toyota Prius und Toyota Prius+, Hybridmodelle, die als umweltfreundlich und energieeffizient gelten. Taxiunternehmen rühmen sich für die „grüne“ Wende. Der CO₂-Ausstoß des Toyota Prius+ ist im Durchschnitt um die Hälfte niedriger als bei herkömmlichen Dieselfahrzeugen. Das spart gleichzeitig Kosten. Technische Vorteile machen den Betrieb ebenfalls wirtschaftlicher. Der Verschleiß der Bremsen ist geringer und das Fahrzeug in der Wartung günstiger. Werkstatttermine verringern sich. Toyota gilt als zuverlässig.
Evelin Hruza von der Wiener Taxivermittlung Taxi 40100 bestätigt den Trend. Unternehmen, mit denen Taxi 40100 zusammenarbeitet haben dreimal so viele Toyota wie Mercedes in ihren Flotten.
Neben dem Umweltaspekt zählt der Preis bei der Anschaffung. Toyota ist günstiger als Mercedes und gilt als alltagstauglich. Ein Taxifahrer im Gespräch mit campus a: „Toyota ist zuverlässig“. Für ihn spielen auch Mängel bei Mercedes und die attraktiven Serviceangebote für Taxiunternehmen bei Toyota eine Rolle. Trotz des Images als Qualitätsmarke hätte Mercedes beispielsweise bei der Innenverarbeitung nachgelassen.
Im Jänner 2026 waren von den 8.175 Taxis in Wien rund zwei Drittel mit Hybrid-Antrieb und acht Prozent mit reinem E-Antrieb ausgestattet. Die Politik trägt zum Wandel bei. In Wien gilt seit Jahresbeginn 2025 eine E-Auto Pflicht für Taxineuzulassungen. Toyota hat darauf mit einem Aktionspreis für den vollelektrischen Toyota bZ4X reagiert. Der geräumige SUV bietet eine Alternative zu den bisherigen Hybridmodellen der Japaner. E-Mercedes sind im Vergleich deutlich teurer.
Die Politik begünstigt den Abschied vom Verbrenner-Taxi auch außerhalb von Wien. Im Jahr 2020 förderte das Land Oberösterreich den Umstieg auf Elektromodelle oder Plug-in-Hybride mit bis zu 14.000 Euro.
Der Markt für Taxis bleibt trotz der aktuellen Dominanz von Toyota umkämpft. Konkurrenz kommt aus China. Der Hersteller BYD ist mit seinen Elektromodellen zunehmend in Taxiflotten zu finden.
Die Zukunft des Gewerbes könnte auch in „autonomen Taxis“, Taxis ohne Fahrerin oder Fahrer, liegen. „Die Technik ist da, derzeit wird an den rechtlichen Regularien gearbeitet“, sagt Evelin Hruza.
In deutschen Städten finden bereits Pilotprojekte mit fahrerlosen Taxis statt. Toyota will bei den „Robotaxis“ vorne dabei sein und arbeitet dafür mit der Softwarefirma Wymo zusammen. Doch auch Mercedes kündigte im Dezember 2025 an, auf Basis seiner S-Klasse in das Geschäft der selbstfahrenden Taxis einsteigen zu wollen.
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