Der Internationale Frauentag ist schon wieder vorbei. Auch dieses Jahr färbten sich Social-Media-Beiträge lila, Blumen wurden verschenkt und Unternehmen posteten Botschaften zur Gleichberechtigung. Gleichzeitig gingen in vielen Städten Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen Gewalt, Femizide und strukturelle Ungleichheit.
Der internationale Frauentag kommt aus der Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1910 schlug die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf einer internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen weltweiten Aktionstag für Frauenrechte vor. Ein Jahr später demonstrierten Frauen in mehreren europäischen Ländern. Sie forderten das Wahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen und politische Teilhabe. Von Anfang an standen Demonstrationen und Versammlungen im Mittelpunkt. Aktivistinnen nutzten den Tag, um Missstände sichtbar zu machen und Gleichberechtigung einzufordern. So entwickelte sich der 8. März zu einem politischen Datum.
Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder eine eigene Symbolik. Geschäfte bewarben Blumen zum Weltfrauentag, Unternehmen starteten Rabattaktionen, in Einkaufszentren verteilten Promoteams Rosen. In sozialen Netzwerken liefen erneut Kampagnen in der typischen Farbe lila. Marken posteten Botschaften zur Gleichberechtigung, Firmen betonten ihre Unterstützung für Frauenrechte. Solche Aktionen erzeugten Aufmerksamkeit, verschieben aber den Fokus. Der 8. März erscheint vielen weniger als Protesttag, sondern als Bühne für Marketing und symbolische Gesten.
Einige Forderungen der frühen Frauenbewegung wurden erreicht. Andere bestehen bis heute. Kurz vor dem diesjährigen 8. März warnte die UN-Frauenorganisation UN Women erneut vor Rückschritten. Bis heute hat kein Land eine vollständige rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. Zahlen zeigen konkrete Lücken: In mehr als der Hälfte der Länder basiert die gesetzliche Definition von Vergewaltigung nicht auf Zustimmung. In 44 Prozent der Länder fehlt ein Gesetz, das gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit ausdrücklich garantiert. Die Zahlen zeigen, wie aktuell diese Forderungen noch sind.
Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung, vor allem bei Jüngeren. Eine internationale Ipsos-Studie zeigt: Viele Männer der Generation Z sehen Gleichstellung bereits als weitgehend erreicht. 61 Prozent von ihnen finden, ihr Land tue genug für Gleichberechtigung. Unter Männern der Boomer-Generation liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Die Einschätzung der Gen Z steht im Kontrast zu den dokumentierten Ungleichheiten. Während strukturelle Probleme sichtbar bleiben, wächst der Eindruck, die Arbeit sei erledigt.
Auch dieses Jahr gingen am 8. März weltweit Menschen auf die Straße. Besonders groß sind die Demonstrationen traditionell in Lateinamerika. In Mexiko-Stadt beteiligen sich jedes Jahr zehntausende Menschen an den Märschen zum Internationalen Frauentag, in manchen Jahren laut Medienberichten sogar bis zu 100.000. In Bogotá kam es bei den diesjährigen Protesten zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei.
Auch in Europa fanden größere Kundgebungen statt. In Berlin beteiligten sich laut Polizei rund 20.000 Menschen an den Demonstrationen.
Auch in Wien stand der 8. März im Zeichen von Protesten. Mehrere Demonstrationen führten durch die Innenstadt, rund um die Märsche kam es zeitweise zu Verkehrssperren im Zentrum.
Der 8. März hat heute mehrere Bedeutungen. Für manche ist er ein Tag der Anerkennung, für andere bleibt er ein politischer Protesttag. Doch solange Gewalt, ungleiche Bezahlung und fehlende Rechte Realität sind, bleibt der 8. März mehr als ein symbolischer Termin im Kalender.
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