Als Hailey Bieber im August 2023 in New York ihre Kosmetikmarke „Rhode“ präsentierte, erschien sie ganz zum Stil des glamourösen Events passend mit rotem, figurbetontem Kleid und hohen Schuhen. Ihr Mann Justin Bieber begleitete sie, allerdings in einem grauen Oversize-Hoodie, weiten Shorts und gelben Crocs. Die Fotos des Paares gingen viral und unzählige Nutzer kommentierten den auffälligen Stilkontrast unter dem Begriff „Swag Gap“.
Ähnliche Diskussionen gab es auch über andere prominente Paare wie Kim Kardashian und Pete Davidson. Kürzlich flammte die etwa rund um Sängerin Selena Gomez und Musikproduzent Benny Blanco auf. Besonders ein Video, auf dem Selena den Fuß ihres Partners küsst, stößt den Zuschauern auf TikTok und Instagram unangenehm auf. Sie kritisieren dabei insbesondere Benny Blancos ungepflegtes Aussehen, das nicht zu Selenas Auftreten passe. Im Netz schwingt dabei die Frage mit, ob diese Paare auf anderen Ebenen zusammenpassen. Doch ist Style und Aussehen wirklich so wichtig für eine Beziehung?
Nutzer sozialer Medien berichten auf TikTok auch von eigenen Erfahrungen in Beziehungen. Frauen erzählen dabei, sie versuchen, den Stil ihres Partners beispielsweise durch gemeinsame Shopping-Ausflüge zu beeinflussen. Doch es geht oft weniger um Modegeschmack, als um das Gefühl, ob sich ein Partner Mühe gibt, dem anderen zu gefallen. Ist der Swag Gap also ein Massenphänomen? campus a hat Studierende befragt.
„Bei meinem Exfreund und mir war das ein großes Thema“, sagt die 22-jährige Lilly Müller (Name von der Redaktion geändert) aus Wien. „Ich hatte immer Angst, was er anziehen wird.“
Sie erinnert sich an eine Situation auf einer Familienfeier, auf der ihr ehemaliger Partner eine Sportjacke und eine weite Hose trug. „Da habe ich mich tatsächlich geschämt, ihn mitzunehmen“, sagt Lilly. Für sie habe Swag jedoch weniger mit Stil zu tun, als mit dem Bewusstsein für bestimmte Situationen. Dieser fehlende Gedanke, welche Kleidung in einem Moment angemessen wäre, fühlte sich damals wie fehlende Wertschätzung an. „Es war mir peinlich, dass meine Familie sieht, wie wenig Mühe er sich gibt“, betont sie.
Andere sehen das ähnlich. „Unterschiedliche Styles sind normal“, sagt die 23-jährige Studentin Emily. Entscheidend sei aber schon, wie viel Mühe sich der Partner gebe. „Ich möchte ja auch nicht denken, dass es meinem Freund egal ist, wie er mit mir auftritt.“ Felix, ein weiterer Student aus München, betont, dass weniger der Stil selbst entscheidend sei, sondern vielmehr persönliche Eigenschaften. „Ich denke nicht, dass Unterschiede im Stil ein Problem sind“, sagt er. „Wichtiger sind Faktoren wie Flexibilität oder Selbstbewusstsein.“
„Attraktivität und Gleichwertigkeit sind Entscheidungsfaktoren beim Eingehen und Fortführen einer Beziehung“, sagt der Wiener Verhaltenstherapeut Simon Zehetner auf Anfrage. Gleichzeitig warnt er davor, Stabilität allein daran zu messen, da sich Bedürfnisse je nach Lebensphase verändern. Wie der „Swag Gap“ tatsächlich zum Problem werden kann, erklärt auch Liebes-Coach Julie Nguyen aus Los Angeles gegenüber dem Wall Street Journal. Denn Kleidung kann auch als Symbol für Status, Identität und Selbstwert dienen. Dabei transportiert ein Partner dann das Gefühl fehlender Wertschätzung oder Mühe.
Kevin J. Hall, Psychotherapeut für systemische Therapie in Wien, ordnet das Phänomen ähnlich ein. Unterschiede im Auftreten würden von außen schnell „etikettiert und aufgeladen“, wodurch Vergleich und Stigmatisierung entstehen. Echte Nähe, die entscheidend für eine Beziehung ist, entstehe laut ihm ohnehin aus Sicherheit und Stabilität.
Ob der „Swag Gap“ tatsächlich ein ernsthaftes Beziehungsthema ist oder vor allem ein Social-Media-Phänomen, bleibt umstritten. Bei Justin und Hailey wirken Unterschiede im Stil nach außen wie ein Problem. Doch privat zeigen sich die beiden derzeit vor allem als junge Eltern, die ihr Leben aus der Öffentlichkeit heraushalten und bei denen der „Swag Gap“ offenbar keine Bedeutung hat.
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