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Black Cube: Private Spionagefirma beeinflusst slowenische Wahl

Kurz vor der slowenischen Parlamentswahl sorgen veröffentlichte Videos der privaten Spionagefirma Black Cube für Aufsehen. Sie sollen Politiker der liberalen Regierungspartei bei Gesprächen über Korruption zeigen. Der Name Black Cube taucht immer wieder bei Skandalen auf, von Harvey Weinstein bis zu Cambridge Analytica. Doch wer steckt hinter der Firma und wie verschiebt der Aufstieg privater Geheimdienste die Grenzen der globalen Macht?
Julia Ehrensberger  •  1. April 2026 Redakteurin    Sterne  668
Robert Golob ist slowenischer Ministerpräsident der grün-liberalen Partei Gibanje Svoboda. (Foto: APA-Images/AFP/JURE MAKOVEC)
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Im Vorfeld der slowenischen Parlamentswahl am 23. März sorgt eine internationale Affäre für politische Spannungen. Auf der Website der privaten Ermittlungsfirma Black Cube, die Verbindungen zum israelischen Geheimdienst hat, erschienen Videos, die der amtierenden Regierung Korruption nahelegen. Die Videos zeigen die frühere Generalsekretärin von Ministerpräsident Robert Golobs liberaler Partei, Vesna Vuković, wie sie offen über Korruption spricht. Vuković selbst sowie weitere in den Aufnahmen gezeigte Personen wiesen die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichneten sie als haltlos.

Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch Recherchen einer slowenischen Menschenrechtsorganisation, eines Investigativjournalisten sowie zweier Wissenschaftler. Sie veröffentlichten, dass Black Cube Verbindungen zur rechtsnationalen Partei des Ex-Premiers Janez Janša aufwies. Janša selbst wies zunächst jede Beteiligung zurück, räumte später jedoch ein, Kontakte zu der Firma gehabt zu haben. Der Skandal fiel ihm letztendlich auf die Füße. Sein Image erlitt schweren Schaden und er verlor die Wahl. Die Stimmenmehrheit sicherte sich Golob.

Rechtliche Unterstützung bei Wirtschaftskriminalität

Die Firma Black Cube erklärte daraufhin in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP, sie sei ein „Intelligence-Unternehmen“, das ausschließlich für Kunden tätig werde, die in wirtschaftliche Aktivitäten eingebunden sind. Ziel sei es, diese bei Rechtsstreitigkeiten, sowie in Fällen von Wirtschaftskriminalität zu unterstützen.

Nach eigenen Angaben holt Black Cube in allen Einsatzgebieten juristischen Rat ein, um die Rechtmäßigkeit seiner Tätigkeiten sicherzustellen. Black Cube werde auch künftig weltweit Fälle von Veruntreuung, Korruption und unrechtmäßiger Vermögensverschiebung aufdecken, so wie bereits in den vergangenen 15 Jahren. 

Dass Black Cube, wie zuletzt in Slowenien, mit der Aufdeckung mutmaßlicher Korruption in Verbindung gebracht wird, ist kein Einzelfall. Im April 2016 nahmen rumänische Behörden in Bukarest zwei Mitarbeiter von Black Cube fest. Gegen sie bestand der Verdacht, die damalige Chefanklägerin der Nationalen Antikorruptionsbehörde, Laura Codruța Kövesi, sowie Personen aus ihrem Umfeld ausgespäht und unter Druck gesetzt zu haben. Die Anklage: Phishing und Cybermobbing. Die beiden Angestellten der Spionagefirma kamen nach einem Übereinkommen mit den Behörden wieder frei, Black Cube bestritt jegliches Fehlverhalten. 

Privater Geheimdienst für alle, die es sich leisten können

Doch wer steckt hinter Black Cube, einer Firma, die immer wieder dort auftaucht, wo es politisch brisant wird? Und mit welchen Methoden arbeitet ein Unternehmen, das nach außen als Berater auftritt, im Hintergrund aber mit den Werkzeugen klassischer Geheimdienste operiert? 

Die ehemaligen Mossad-Agenten Dan Zorella und Avi Yanus gründeten Black Cube im Jahr 2010. Ein Großteil der Belegschaft besteht bis heute aus Veteranen israelischer Nachrichtendienste wie Mossad, Aman und Shin Bet, ergänzt durch Experten aus den Bereichen Recht und Finanzen. Mit Standorten in London, Tel Aviv, Madrid und Singapur agiert das Unternehmen international.

Nach eigenen Angaben unterstützt es seinen hochkarätigen Kundenstamm aus Regierungen, Anwaltskanzleien, Unternehmen und vermögende Privatpersonen. Ihr Modus Operandi besteht laut Medienrecherchen aus verdeckter Informationsbeschaffung, Cyberspionage, Observation und gezieltem Eindringen in relevante Netzwerke. 

Marktvolumen von 80 Milliarden Dollar

Während staatliche Nachrichtendienste wie das MI6 oder die CIA im Auftrag nationaler Sicherheit agieren, entsteht parallel ein milliardenschwerer Markt, in dem Spionage zunehmend zur privaten Dienstleistung wird. Buchbar für Regierungen, Unternehmen und alle Superreiche, die es sich leisten können. 

Und das Geschäft boomt. Schätzungen zufolge erreichte der Markt bereits vor rund zehn Jahren ein Volumen von etwa 80 Milliarden US-Dollar und ist seither deutlich gewachsen, auch wenn sich die genaue Größe kaum beziffern lässt. Ohne ethische Regularien oder staatliche Auflagen verändern diese gewinnorientierten Geheimdienste, zu denen auch BlackCube gehört, die Spielregeln der Weltmächte. Wo die ethischen Grenzen verlaufen, ist dabei schwer zu erkennen. Dass sie sich verschieben, steht außer Frage.

Black Cube unterstütze Harvey Weinstein und Cambridge Analytica

Black Cube rückte 2017 durch den Fall des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Licht der Öffentlichkeit. Nachdem zahlreiche Frauen Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Weinstein erhoben hatten, beauftragte er Black Cube, Kontakt zu mutmaßlichen Opfern aufzunehmen. Recherchen der amerikanischen Medien The New Yorker und The New York Timesdeckten auf, dass Black Cube im Auftrag Weinsteins versuchte, Journalistinnen sowie betroffene Frauen gezielt auszuspionieren und systematisch zu unterdrücken, um weitere negative Berichterstattung zu verhindern. Black Cubeentschuldigte sich später für die Vorfälle und distanzierte sich von Weinstein.

Im März 2018 tauchte der Name Black Cube auch im Facebook-Datenskandal rund um das Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica auf. Der Whistleblower Christopher Wylie erklärte vor dem britischen Parlament, dass Cambridge Analytica, beziehungsweise seine Muttergesellschaft SCL GroupBlack Cube engagierte, den damaligen nigerianischen Oppositionsführer und späteren Präsidenten Muhammadu Buhari auszuspionieren. 

Black Cubes Auftrag war es laut Wylie medizinische Unterlagen und private E-Mails von Buhari zu hacken und zu beschaffen. Dies sei Teil einer “Dirty Ops”-Kampagne gewesen, um den amtierenden Präsidenten bei der Wahl 2015 zu unterstützen. Black Cube bestritt die Vorwürfe umgehend und bezeichnete die Aussage von Wylie als “dreiste Lüge”. Brittany Kaiser, eine ehemalige Führungskraft von Cambridge Analytica, sagte später vor dem britischen Parlament, dass Black Cube nicht Teil der beauftragten Partner gewesen sei.

Black Cube Konten von Meta entfernt

2021 entfernte Meta rund 300 Facebook- und Instagram-Konten, die mit Black Cube in Verbindung standen. Demnach operierte das Unternehmen unter falschen Identitäten, die gezielt auf potenzielle Zielpersonen zugeschnitten waren, darunter Studenten, NGO- und Menschenrechtarbeiter sowie Film- und Fernsehproduzenten. Über diese Profile versuchte Black Cube Kontakte zu initiieren und persönliche E-Mail-Adressen zu erhalten, mutmaßlich als Vorbereitung für spätere Phishing-Angriffe.

„Die globale Überwachung-als-Dienstleistung-Industrie nimmt Menschen im gesamten Internet ins Visier, um Informationen zu sammeln, sie dazu zu manipulieren, Daten preiszugeben, und ihre Geräte sowie Konten zu kompromittieren“, erklärte Meta. „Diese Unternehmen sind Teil einer weit verzweigten Branche, die invasive Softwaretools und Überwachungsdienste unterschiedslos an jeden Kunden bereitstellt – unabhängig davon, wen sie ins Visier nehmen oder welche Menschenrechtsverletzungen sie möglicherweise ermöglichen.“

Methoden in ethischen Grauzonen

Black Cube betont, stets legal zu handeln, doch viele Methoden bewegen sich in gesetzlichen Grauzonen. Wenn sich geheimdienstliche Methoden einkaufen lassen, wird Macht zur Frage des Geldes. Nicht Parlamente entscheiden dann über den Einsatz solcher Mittel, sondern diejenigen, die sie bezahlen können. Das verschiebt Macht. Und es passt in eine Entwicklung, die westliche Demokratien zunehmend unter Druck setzt. Eine Entwicklung, in der Superreiche und Konzerne mehr Macht als Staaten haben.


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