Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
ChronikÖsterreichFakten

„Mehr als Maibaum und Lederhose“: Warum die Landjugend boomt

Er sei nicht mehr an Traditionen interessiert, heißt es über Österreichs Nachwuchs. Gleichzeitig freut sich die Landjugend Österreich über einen Höchststand an Mitgliedern. Warum?
Julia Höllhuemer  •  30. April 2026 Volontärin    Sterne  20
„Wir sind ein bunter Mix aus den verschiedensten Menschen“: Die Landjugend Österreich verbindet junge Leute weit über den landwirtschaftlichen Hintergrund hinaus. Gemeinsam räumen sie mit alten Klischees auf. (Foto: Landjugend Bezirk Eferding)
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

„Die meisten denken bei der Landjugend an Maibaum und Lederhose“, sagt Clara Außerwöger und schmunzelt. „Dabei ist das nur ein kleiner Teil von dem, was wir wirklich machen.“ Die 24-Jährige ist seit 2018 bei der Landjugend Eferding. Heute ist sie im Bezirksvorstand. In Oberösterreich gehört die Gruppe zu den größten Jugendorganisationen im ländlichen Raum.

Trotz ihres Rufs stehe die Organisation für mehr als das Aufrechterhalten alter Traditionen: „Ja, Kultur und Brauchtum gehören zur Landjugend dazu. Aber das ist eben nur ein Teil“, sagt Außerwöger. Viele wüssten gar nicht, was der Verein noch zu bieten hat. 

Vom Brauchtum zum Bildungsverein

Zu den Angeboten der Landjugend zählen auch Projekte wie „Landwirtschaft Goes Schule“ an Schulen ohne landwirtschaftlichen Bezug, Agrarbildungstage, internationale Praktika oder ein Sommer im Ausland über den International Farmers Youth Exchange. Der Verein bietet der Landjugend viele Möglichkeiten, ihren Interessen nachzugehen.

Außerdem setzt der Verein auf das Vermitteln von Allgemeinbildung. Durch die Teilnahme an Bildungsangeboten erhält man als Landjugendmitglied pro Stunde einen sogenannten „LAZ-Punkt“. Ab 100 Punkten gibt es das Bronze-, ab 200 das Silber- und nach 300 Stunden außerschulischer Bildung das Goldabzeichen. Die verliehenen Auszeichnungen sind ein Symbol für besonderes Engagement und Einsatz in der Landjugend. Im Jahr 2025 wurden laut Landjugend Österreich knapp 12.000 Bildungsstunden von Mitgliedern erreicht. Ein neuer Höchststand. 

„Miteinander etwas machen, was du allein nicht schaffen würdest“

In Oberösterreich steht derzeit das Motto „75 Jahre mit Herz und Hand“ im Mittelpunkt. Ein Rückbezug auf die 75-jährige Geschichte der Landjugend OÖ und die ursprünglichen vier H‘s: Head, Heart, Hands & Health. Für viele Jugendliche sei das Soziale ohnehin ein zentraler Grund einzutreten. „Das kommt gut an, miteinander etwas zu machen, was du allein nicht schaffen würdest.“ „Wir haben schon Blutspendeaktionen in der Gemeinde organisiert, um die Krankenhäuser zu unterstützen.“, erzählt Außerwöger. 

Nachwuchsproblem bei Funktionärspositionen 

In Oberösterreich fehlen aber junge Leute, die Funktionärspositionen übernehmen wollen. Ein Problem, das den Verein vor Herausforderungen stellt. „Es ist schwer, junge Menschen zu finden, die nicht einfach nur zum Spaß dabei sind, sondern auch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Außerwöger. Die Landjugend sucht daher in allen Ortsgruppen aktiv nach neuen Mitgliedern.

Um engagierte Jugendliche zu gewinnen, komme man an den sozialen Medien nicht vorbei. „Social Media ist eines unserer wichtigsten Tools“, so die Bezirksleiterin. Die Landjugend postet immer wieder humorvolle Videos und Fotos von Ausflügen und Veranstaltungen auf Instagram, TikTok und Facebook. So erreichen sie neue potenzielle Landjugendliche. 

Nicht alle haben landwirtschaftlichen Hintergrund

 „Viele denken bei der Landjugend sicher an Bauern in Lederhosen. So ist das nicht. Jeder und jede zwischen 14 und 35 Jahren ist bei uns willkommen.“, sagt Außerwöger. In Eferding kommen rund 55 der 464 Mitglieder aus landwirtschaftlichen Betrieben, viele andere sind zumindest über Bekannte oder Verwandte mit der Landwirtschaft verbunden. „Es kommen aber auch einige dazu, die damit nichts zu tun haben. Es ist einfach eine schöne Gemeinschaft und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, sagt die Bezirksleiterin. In ihrer Ortsgruppe sind rund 61 Prozent der Mitglieder männlich. Die meisten Mitglieder sind zwischen 16 und 22 Jahren.

Die größten Einnahmen erzielen sie bei Veranstaltungen wie Zeltfesten oder Verkaufsständen bei Weihnachtsmärkten. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 8,50 Euro und fließt an die Landjugend Oberösterreich. Je nach Ortsgruppe kommt ein lokaler Zuschlag hinzu. Zusammen sind das in Eferding 12 Euro pro Jahr. „Das klingt nicht nach viel, aber die Beiträge machen ein Viertel der Einnahmen der Landjugend Oberösterreich aus“, sagt Clara Außerwöger. Mit über 600 Veranstaltungen pro Jahr ist die Organisation auf engagierte Mitglieder angewiesen. Ohne ihren ehrenamtlichen Einsatz wäre das nicht zu bewältigen.

„Nur weil man bei der Landjugend ist, ist man nicht automatisch konservativ“

Die Landjugend Österreich hat dieses Jahr einen Höchststand von über 101.000 jungen Menschen erreicht. Das berichtete der ORF im Frühjahr. Der Wunsch nach Sicherheit in einer krisenhaften Zeit sorgt für das hohe Interesse an Bräuchen. In Eferding kamen im vergangenen Jahr 75 neue Mitglieder hinzu.

„Natürlich gibt es solche und solche“, sagt Außerwöger über die politische oder gesellschaftliche Einstellung der Mitglieder. „Aber nur weil man bei der Landjugend ist, ist man nicht automatisch konservativ gestimmt.“ Viele Klischees hätten mit der Realität nichts zu tun: „Wir tragen auch nicht dauernd Dirndl.“ Jede Führungsposition wird immer von einem Mann und einer Frau gemeinsam besetzt. „Damit schaffen wir mehr Gleichberechtigung als viele andere Vereine“, so Außerwöger.

Die Landjugend will mit verbreiteten Klischees aufräumen. Viele denken noch immer an Maibaum und Lederhose. Doch die Landjugend will ein vielseitiges Netzwerk junger Menschen sein, die ihre Zukunft aktiv mitgestalten, ohne dabei rückwärtsgewandt zu sein. Das Ziel sei eine Gemeinschaft, in der jeder und jede etwas beiträgt: „Unser Verein ist ein ganz bunter Mix aus den verschiedensten Menschen“, so Clara Außerwöger.


campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement