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Österreichisches Kulturforum sorgt in Kairo für Eklat

Ein Konzert des Österreichischen Kulturforums Kairo in der berühmten Höhlenkirche von Manschiyyet Nasser sorgt in Ägypten für heftige Kritik. Was als internationales Kulturprojekt mit Jugendlichen begann, endete nach einem überraschenden Auftritt der österreichischen Künstlerin Crystn Hunt Akron ohne Strom, aber mit öffentlicher Empörung und Stellungnahmen der Kirche.
Melina Papageorgiadis  •  19. Mai 2026 Volontärin    Sterne  86
Zu Beginn begrüßte Jugendbischof Anba Moussa das Publikum noch offiziell auf der Bühne. Wenig später entwickelte sich das Konzert des Österreichischen Kulturforums zu einem landesweit diskutierten Eklat. (Foto: Eigene Aufnahme)
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Da haben Österreichs Kulturexporteure wohl unterschätzt, worauf sie sich eingelassen haben. Ein Konzert des Österreichischen Kulturforums Kairo am vergangenen Freitag in der berühmten Höhlenkirche von Manschiyyet Nasser, besser bekannt als „Garbage City“, sorgt derzeit in Ägypten für Kritik und mediale Aufmerksamkeit. Vor allem auf Social Media verbreiten sich Videos der Veranstaltung rasant. Auch das ägyptische Nachrichtenportal Cairo24 berichtete ausführlich über den Vorfall und veröffentlichte ein Statement des koptischen Jugendbischofs Anba Moussa. campus a war während der Veranstaltung vor Ort.

Das Konzert fand am Freitagabend im Kloster des Heiligen Simon statt, mitten in einem der ärmsten Viertel Kairos. Manschiyyet Nasser wird oft „Garbage City“ genannt, weil dort ein großer Teil des Mülls der Millionenstadt gesammelt, sortiert und recycelt wird. Gleichzeitig zählt die Gegend zu den religiös bedeutendsten christlichen Vierteln der Stadt. Die Höhlenkirche gilt als eines der wichtigsten Zentren der koptisch orthodoxen Kirche in Ägypten. Jährlich besuchen tausende Gläubige und Pilger die riesige, in den Fels gebaute Anlage.

Vom Kulturprojekt zum Eklat

Das Österreichische Kulturforum Kairo, Teil des österreichischen Außenministeriums, organisierte die Veranstaltung. Vor Beginn des Konzerts trat Jugendbischof Anba Moussa gemeinsam mit einem Dolmetscher auf die Bühne und begrüßte das Publikum. Zunächst wirkte der Abend wie ein typisches internationales Kulturprojekt innerhalb des Klosters.

Die österreichische Künstlerin Crystn Hunt Akron präsentierte dort ihr Projekt „Plasticphonia“. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Manschiyyet Nasser spielte sie zunächst auf selbstgebauten Instrumenten aus Plastikmüll. Der erste Teil des Konzerts wirkte ruhig und experimentell, der Fokus lag sichtbar auf dem gemeinsamen Projekt mit den Jugendlichen.

Unruhe und Stromabschaltung

Dann änderte sich die Atmosphäre im Kirchenraum spürbar. Crystn Hunt Akron wechselte zu einem elektronischen DJ-Set, das auf aufgenommenen Geräuschen und Sounds aus Plastikmüll basierte, musikalisch jedoch deutlich härter und synthetischer klang. Dazu kamen Lichtprojektionen und schnelle Beats. Partystimmung erfasste den Raum. Während einige Besucherinnen und Besucher ihre Plätze verließen, begannen andere zu tanzen. Im Publikum machte sich zunehmend Unruhe bemerkbar.

Wenig später unterbrachen Verantwortliche des Klosters die Veranstaltung. Mitten im Konzert verstummte die Musik, die Lichtshow ging aus. Jemand hatte den Strom abgeschaltet. Vor Ort gab es zunächst keine Erklärung. Besucherinnen und Besucher diskutierten lautstark, gleichzeitig verbreiteten sich Gerüchte, dass Jugendbischof Anba Moussa den Abbruch der Veranstaltung veranlasst haben soll. Nach kurzer Zeit leerte sich die Kirche.

Anba Moussa veröffentlichte später ein offizielles Statement, das auch das Nachrichtenportal Cairo24 aufgriff. Darin erklärte er, die Veranstaltung stehe „in keiner Verbindung zum christlichen Glauben“ und entspreche „nicht den Glaubenslehren und Ritualen unserer orthodoxen Kirche“. Außerdem forderte er die Verantwortlichen auf, „die tief verwurzelten Traditionen und Rituale unserer Kirche zu respektieren“.

Kritik an mangelnder kultureller Sensibilität

Die Videos des Auftritts verbreiteten sich anschließend rasch auf TikTok und Instagram. In den Kommentarspalten stellten sich zahlreiche Nutzer hinter die Kirche und bezeichneten die Performance als respektlos gegenüber einem heiligen Ort.

Es geht dabei auch um die Rolle der Veranstalter. Laut Cairo24 habe das Kulturforum dem kirchlichen Umfeld offenbar nicht ausreichend vermittelt, welche Art von Performance konkret geplant war. Im Zentrum der Kritik steht damit zunehmend die Frage, wie ein Techno-Konzert mit Lichtshow überhaupt innerhalb einer der wichtigsten koptischen Kirchen des Landes stattfinden konnte.

Später entschuldigten sich die österreichischen Veranstalter für den Auftritt innerhalb des Klosters. Gleichzeitig verwiesen sie auf die langjährige Zusammenarbeit mit der koptisch orthodoxen Kirche und betonten, den kulturellen Austausch fortsetzen zu wollen.

Aus einem Kulturprojekt in der Höhlenkirche von Manschiyyet Nasser entwickelte sich innerhalb weniger Stunden eine landesweite Debatte über religiöse Grenzen und kulturelle Sensibilität. Während die Kritik in Ägypten weiter wächst, steht nun vor allem eine Frage im Raum: Wie konnte es zu einer derart umstrittenen Veranstaltung in einem der bedeutendsten orthodoxen Kirchenräume des Landes kommen?


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