Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
GesundheitInternationalFakten

Zu viel des Guten: Ab wann Wasser gefährlich wird

Im Sommer haben und Ärzte und Medien aufgefordert, möglichst viel zu trinken. Doch gerade mit den kühleren Außentemperaturen kann es auch zu viel sein. Denn das Dogma vom Wasser, von dem wir gar nicht genug durch unseren Körper leiten können, stimmt so nicht.
Sophie-Leonie Foidl-Widhalm  •  14. September 2025 Volontärin    Sterne  178
Wasser ist lebenswichtig, doch zu viel kann auch schaden. (Foto: Shutterstock)
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

Vor allem im Sommer ertönt der Appell „Ausreichend trinken“. Auch wenn die Temperaturen längst sinken, hallt dieser Ratschlag nach. Unabhängig davon, ob es kalt oder heiß ist, eine Dehydrierung kann jederzeit auftreten und sie kann gefährlich werden. Wer jedoch übermäßig viel Wasser zu sich nimmt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Im Extremfall drohen irreversible Schäden.

Warum Kälte das Durstgefühl dämpft

Mit sinkenden Temperaturen sinkt auch das Durstempfinden, um bis zu 40 Prozent. Dahinter steckt ein cleverer Schutzmechanismus. Wird es draußen kalt, ziehen sich unsere Blutgefäße zusammen. Das Blut strömt verstärkt zum Körperkern um Herz, Lunge und andere Organe zu schützen. Die Folge? Der Körper interpretiert diesen Zustand irrtümlich als ausreichende Flüssigkeitsversorgung.

Zwei Liter am Tag, goldene Regel oder medizinischer Mythos?

Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, kursiert eine goldene Regel: mindestens zwei Liter Wasser am Tag. Immer ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, ist wichtig; auch in den sozialen Medien und in der Promi-Welt wird dieses Thema häufig aufgegriffen. Influencer posieren mit Trinkbehältern wie dem Stanley Cup oder speziellen Vier-Liter-Flaschen, die kaum in eine Handtasche passen. Ständig bringen Firmen neue Produkte wie zuckerfreie Sirups auf den Markt, um das Trinken zu erleichtern.

Auch Superstars wie Beyoncé legenWert auf ausreichend Wasser. In einem Interview mit dem Magazin British Vogue verriet sie: „Ich versuche, auf mich selbst aufzupassen und trinke mindestens eine Gallone Wasser mit Zitrone pro Tag.“ Eine Gallone entspricht rund 3,8 Litern. Die Botschaft scheint klar: Viel trinken ist gesund. Aber stimmt das wirklich?

Die ORF-Doku „Mythos Ungesund“ mit Hanno Settele stellt klar: Zwei Liter Wasser am Tag zu trinken, ist ein Mythos kein medizinischer Fakt. Der Urologe Erik Randall Huber stellt in der Dokumentation klar, die Zwei-Liter-Regel sei ein Mythos

Gefährlicher Irrglaube

Eine Blase fasst durchschnittlich rund 500 Milliliter. Wer sie dauerhaft überlastet, überdehnt das Organ. Das Resultat sind bleibende Schäden. Viele trinken weit über ihr Durstgefühl hinaus, im Glauben, sich etwas Gutes zu tun. Huber schildert in der Doku drastische Folgen. Jedes Jahr behandelt er rund 15, meist junge Frauen, die infolge übermäßigen Trinkens ein Leben lang auf einen Katheter angewiesen sind. Auslöser sei, der hartnäckige Irrglaube, man müsse ständig mehr Flüssigkeit aufnehmen, als der Körper verlangt.

Seit Jahren hält sich der Mythos, Durst komme bereits zu spät. Doch das stimmt nicht. Durst signalisiert, wann der Körper Flüssigkeit braucht. Wer dieses Signal ignoriert oder nicht wahrnimmt, riskiert Dehydrierung. Typische Symptome reichen von Kopfschmerzen und Schwindel über Herzrasen bis hin zu Muskelkrämpfen. Senioren bilden eine Ausnahme. Im Alter sinkt das Durstempfinden deutlich. Viele trinken aus Angst vor nächtlichem Harndrang weniger oder vergessen ganz, Flüssigkeit aufzunehmen. Das erhöht die Gefahr einer schleichenden Dehydrierung.

 Die deutsche Verbraucherzentrale rät Erwachsenen zu etwa 1,5 Litern Flüssigkeit täglich. Bei Hitze, Fieber oder Durchfallerkrankungen steigt der Bedarf entsprechend.

Allerdings gibt es auch hier ein zu viel des Guten. Große Mengen Wasser in kurzer Zeit können den Elektrolythaushalt gefährden. Das Risiko für eine Wasservergiftung, medizinisch Hyponatriämie genannt, steigt. Im schlimmsten Fall endet sie tödlich. Das Paradoxe ist, die Symptome ähneln einer Dehydrierung. Betroffene leiden unter Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel bis hin zu Krampfanfällen.


Ärztekammer-Preis für Gesundheitsjournalismus
campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement