campus a: Es heißt, die Krebsraten bei jungen Menschen steigen. Warum?
Ludwig: Einen eindeutigen Grund dafür gibt es nicht. Eine aktuelle Theorie besagt, dass der Feinstaub, der durch Plastik entsteht, einen Einfluss haben könnte. Vor allem geht es aber um einen veränderten Lebensstil mit weniger körperlicher Aktivität und einen anderen Speiseplan. Junge Menschen haben vor allem Dickdarmkrebs, der durch ungünstige Ernährung gefördert werden kann.
campus a: Wo liegt der Fehler in der Ernährung?
Ludwig: Wir essen mehr hoch verarbeitete Lebensmittel, aber auch rotes Fleisch könnte zur Krebsentwicklung beitragen. Der Nobelpreisträger Harald zur Hausen hat dazu eine plausible Hyptohese aufgestellt. Er meint, im Fleisch der europäischen und südamerikanischen Rinder befinden sich Viruspartikel, die bei falscher Garung Mikroentzündungen im Körper verursachen. Wenn Mikroentzündungen über Jahrzehnte bestehen, ist das auf jeden Fall ein Krebs-Risikofaktor.
campus a: Dabei ernähren sich gerade junge Menschen immer mehr vegan!
Ludwig: In Europa vielleicht, da sind sie gesundheitsbewusster. Alkohol fördert ebenfalls Krebserkrankungen, auch hier geht der Konsum unter jungen Menschen zurück.
campus a: Wie sieht es mit Koffein aus?
Ludwig: Alle Menschen haben einen anderen Metabolismus, bauen Koffein schneller oder langsamer ab. Zum Zusammenhang mit Krebs gibt es wenig Eindeutiges. Bei Patientinnen mit Brustkrebs senken vier bis fünf Tassen täglich das Rückfallrisiko. Ob Kaffee insgesamt gesund ist, darüber sind sich in der Wissenschaft nicht alle einig. Aktuell gilt jedenfalls auch die Annahme, dass drei bis vier Tassen das Alzheimer-Risiko senken.
campus a: Merken Sie selbst, dass mehr junge Menschen in Ihre Praxis kommen?
Ludwig: Es gibt eine demographische Veränderung. Die Gesellschaft altert, jetzt leben mehr ältere Menschen als vor zwanzig Jahren. Wenn der Anteil junger Krebspatienten steigt, fällt das deshalb im Wartezimmer nicht auf.
campus a: Handystrahlung gilt auch als krebserregend. Ist das nur ein Mythos?
Ludwig: Da gibt es große Studien mit tausenden Teilnehmern. Die einzige Erkenntnis ist, wenn man das Handy stundenlang am Ohr hält, häufen sich gutartige Nerventumoren. Aber selbst das ist fraglich. Also ist diese oft geschürte Angst unbegründet.
campus a: Was sollten mehr Menschen über Krebs wissen?
Ludwig: Der Informationsstand ist insgesamt zu niedrig. Wer jung und gesund ist, hat andere Prioritäten. Dann kommt es zu Fehlern im Lebensstil, wie gesagt, mangelnde Bewegung, falsche Ernährung.
campus a: Könnten Vorsorge und gesunder Lebensstil also das Problem lösen?
Ludwig: Nicht allein, es kommt vor allem auf die Genetik an. Wer schon mehrere Generationen hindurch Krebsfälle in der Familie hat, sollte bei den Dingen, die er beeinflussen kann, besonders achtsam sein. Wir sollten uns dabei auch fragen: Was gibt mir Sinn im Leben? Das kann ein Hobby sein, der Beruf, eine Partnerschaft, oder für andere Menschen da zu sein. Wer einen Lebenssinn hat, will eher am Leben bleiben.
campus a: Sie schreiben in Ihrem Buch „Richtig leben, länger leben“ über eine krebskranke Mutter, deren Sorge um ihre Tochter sie weit über das Erwartbare hinaus am Leben gehalten hat.
Ludwig: Genau darum geht es. Weniger um einen philosophischen, sondern um einen konkreten, fühlbaren Sinn im Leben.
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