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Wie Social Media den Trend zu Schönheits-OPs antreibt

Buccal-Fat-Removal, Fox-Eyes und hyperrealistische Filter dominieren TikTok und Instagram. Sie erzeugen Gesichter, die so nur digital existieren, schmäler, definierter, perfekter. Immer mehr junge Frauen versuchen, diese Looks chirurgisch nachzubilden. Influencerinnen filmen jeden Schritt und zeigen, wie nah Social-Media-Ästhetik und reale Eingriffe inzwischen beieinander liegen.
Sophie-Leonie Foidl-Widhalm  •  11. Dezember 2025 Volontärin    Sterne  168
Foto: Shutterstock
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Face-Trends wie „Buccal Fat Removal“ oder „Fox Eyes“ gewinnen auf TikTok und Instagram stark an Popularität. Creator posten Vorher-Nachher-Effekte, oft mit Filtern, die chirurgische Ergebnisse imitieren. Unter dem Hashtag #buccalfatremoval finden sich auf Instagram bereits rund 82.000 Beiträge. Viele Nutzerinnen orientieren sich an diesen digitalen Vorlagen und vergleichen ihr eigenes Gesicht mit den präzise konstruierten Idealformen der Filter.

Der Selfie-Effekt: Wenn Filter OP-Wünsche antreiben

Laut der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery verzeichneten 2022 rund 15 Prozent der plastischen Gesichtschirurgen eine steigende Nachfrage nach Buccal-Fat-Entfernungen. Der markante, skulpturierte 90er-Jahre-Wangenknochen-Look rückt dadurch wieder in den Fokus. Viele Chirurgen warnen, weil der Eingriff dauerhaft ist und im Alter zu einem stärker eingefallenen Gesicht führen kann.

Die Gen Z treibt den Trend zu ästhetischen Eingriffen weiter an. Rund 75 Prozent der befragten Ärzte berichten, mehr Patientinnen und Patienten unter 30 würden kosmetische Behandlungen oder Injektionen anfragen, häufig mit dem Ziel, auf Selfies besser auszusehen. Der Wunsch nach einem „filtergleichen“ Erscheinungsbild bleibt laut 79 Prozent der Chirurgen ein zentraler Motivationsfaktor.

„Die Anzahl der Anfragen über Social Media dürfte in den vergangenen Jahren gestiegen sein. Seit Beginn der Pandemie beobachten Ärzte außerdem mehr Eingriffe im Gesichtsbereich, weil sich viele Menschen durch Video-Calls zum ersten Mal intensiv selbst auf dem Bildschirm gesehen haben“, erklärt Britta Fischill, Pressesprecherin der ÖGPÄRC.

Ein Ticket in die Wärme und unter das Messer

Die kalten Wintermonate ziehen viele Menschen in wärmere Regionen. Reisende fliegen inzwischen jedoch nicht nur wegen eines Urlaubs nach Türkiye. Das Land entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit gefragtesten Ziele für kosmetische Eingriffe. Suchanfragen nach Schönheitsoperationen in Türkiye steigen international stark an, und jährlich reisen Hunderttausende für Behandlungen wie Nasenkorrekturen, Liposuktion, Brustoperationen oder Zahnästhetik an. Gründe dafür liegen in deutlich niedrigeren Preisen im Vergleich zu Westeuropa, kurzen Wartezeiten und All-inclusive-Paketen, die Eingriff, Hotel, Transfer und Nachsorge kombinieren. So entwickelte sich Türkiye von einem klassischen Urlaubsland zu einem globalen Hotspot für ästhetische Medizin. Ein zentraler Grund ist der Preis:

Ein Facelift kostet in Österreich zwischen 6.000 und 15.000 Euro, in der Türkei beginnen vergleichbare Eingriffe bei rund 3.000 Euro. Dazu kommen kurze Wartezeiten und All-inclusive-Pakete, die OP, Hotel, Transfers und Nachsorge kombinieren.

(Foto: @monocosmeticsurgery/Instagram)

 https://www.instagram.com/reel/DRZWl7XDLXh/?igsh=cHQ0cTVwYWpiYjFr 

Wenn der Wunsch nach Schönheit tödlich endet

Ende 2024 berichtete die BBC über die 26-jährige Demi Agoglia aus Salford, die nach einem Eingriff in der Istanbuler Klinik „Comfort Zone“ verstarb. Laut dem Bericht wählte sie die Klinik aufgrund von Social-Media-Werbung.

Zwischen Filterglanz und Klinikrealität

Im November sorgte die deutsche Influencerin und Reality-Darstellerin Emma Fernlund für erhebliche Diskussionen in den sozialen Medien. Sie unterzog sich in der Türkei einem ästhetischen Eingriff in der sogenannten „Mono Klinik“ und begleitete den Prozess in ihren Instagram-Stories. Zunächst kennzeichnete sie ihre Inhalte als unbezahlte Werbung, später als persönliche Empfehlung. Die Klinik veröffentlichte anschließend selbst ein Video von Fernlund nach der Operation, in dem sie erklärt, über Instagram und eine Freundin auf die Einrichtung aufmerksam geworden zu sein und mit dem Ablauf zufrieden zu sein.

In den Kommentaren fiel die Resonanz jedoch deutlich kritischer aus. Ein Beitrag mit über dreitausend Likes bezeichnet das Video als „beste Kampagne gegen Beauty-Eingriffe“. Andere Nutzer äußerten, das Ergebnis wirke „beunruhigend“. Viele Nutzer kritisierten Fernlund außerdem für Werbung für eine Klinik, die in Online-Bewertungen wiederholt negativ auffällt. Dort häufen sich Berichte über Probleme in der Kommunikation, Schwierigkeiten bei Rückerstattungen, mangelnde Professionalität und einen unzureichenden Umgang mit Beschwerden. Mehrere Rezensionen berichten zusätzlich von negativen Erfahrungen mit durchgeführten Behandlungen.

Eine weitere Rezension beschreibt zusätzlichen Druck auf Kunden nach dem Verfassen kritischer Bewertungen. Eine Person berichtet, die Klinik fordere sie auf, ihre Bewertung sofort zu löschen, andernfalls verweigere sie eine Rückzahlung. Die Klinik verlangte plötzlich ausschließlich englische Kommunikation, obwohl laut Vertrag deutschsprachige Betreuung vorgesehen ist. Diese Schilderungen verstärken den Eindruck, viele kritische Punkte beziehen sich nicht nur auf medizinische Ergebnisse, sondern auch auf den Umgang der Klinik mit Beschwerden.

 Wenn der Wunsch nach Schönheit tödlich endet

Ende 2024 berichtete die BBC über die 26-jährige Demi Agoglia aus Salford, die nach einem Eingriff in der Istanbuler Klinik „Comfort Zone“ verstarb. Laut dem Bericht wählte sie die Klinik aufgrund von Social-Media-Werbung.

Die deutsche Reality-Darstellerin Paulina Ljubas berichtete zuvor auf Social Media über ihren eigenen Eingriff dort. Sie hob hervor, die Ärzte arbeiteten mit einer sogenannten „Safe-BBL-Methode“, und präsentierte sich zufrieden mit dem Ergebnis. 

Jung, online und unter Schönheitsdruck

Auch die Content-Creatorin Lena Glams entschied sich bereits in jungen Jahren für mehrere ästhetische Eingriffe. Mit 18 ließ sie sich die Nase operieren und ihre Zähne abschleifen, um anschließend Veneers einsetzen zu lassen, ausgelöst durch sozialen Druck und wiederkehrende negative Kommentare über ihr Aussehen. Ein Jahr später unterzog sie sich dem wohl riskantesten ästhetischen Eingriff, dem Brazilian Butt Lift, den sie 2022 in einer Klinik in Istanbul durchführen ließ. Heute bereut sie diese Entscheidungen. In der Talkshow „deep und deutlich“ beschreibt sie, wie sehr der Wunsch nach Veränderung sie damals belastete: „Ich habe gedacht, wenn ich das jetzt mache, dann werde ich zufrieden sein. Es war mir egal, ob ich dafür sterbe.“


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