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Gefiltert bis zur Unkenntlichkeit: Die Kardashians und die KI

Seit 2007 unterhalten die Kardashians mit ihrer Reality Serie „The Kardashians“ ein Millionenpublikum. Ihr Leben ist geprägt von Reichtum, Skandalen und dem Streben nach vollkommener Schönheit. Ein Ziel, das jetzt mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz erreicht werden könnte.
Lillian Schabus  •  16. Januar 2026 Volontärin    Sterne  82
KI-Filter analysieren Gesichter und verändern sie algorithmisch, um ein idealisiertes, oft westlich geprägtes Schönheitsbild zu erzeugen. (Foto: Canva)
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Eine sechste Zehe, ein fehlender Bauchnabel und extralange Finger. Die Kardashians sind nicht nur für ihre perfekt inszenierten Auftritte, sondern auch für unzählige Photoshop-Pannen bekannt. Aktuell sorgt eine kurze Szene in der siebten Staffel „The Kardashians“ für Verwirrung. Der Gesichtsausdruck, die Gesichtsform und der Hautton von Khloé Kardashian waren plötzlich verändert. Die Kreuzkette um ihren Hals hatte die Form einer Zuckerstange. 

In den Social-Media-Kommentaren häufen sich Fake-Vorwürfe, Anschuldigungen zum Einsatz von KI-Filtern sowie Forderungen für deren Verbot. Dabei ist die Anwendung von KI-Filtern schon längst in der Filmbranche etabliert.

Was sind KI-Filter?

Egal ob Schwarz-Weiß-Bearbeitung, das Hinzufügen von Hundeohren oder das Glätten des Hautbildes: Filter für die Veränderung eines Bildes oder des Aussehens sind schon lange in Verwendung. Sie verändern das Erscheinungsbild nur minimal und belustigen durch ihre unterschiedlichen, klar erkennbaren Effekte. KI-Filter erweitern diese Möglichkeiten. Beauty-KI-Filter scannen Gesichtszüge und können diese nach individuellen Vorgaben verändern. Das Ergebnis entspricht meist westlichen Schönheitsidealen. Volle Lippen, glatte helle Haut und perfektes Makeup. 

Eine weitere Form sind Deepfakes. Dabei handelt es sich um verfälschte, bearbeitete und täuschend echt wirkende Bilder, Videos oder Audios. Häufig zeigen sie bekannte Persönlichkeiten, die scheinbar Dinge tun oder sagen, die sie in Wirklichkeit nie getan haben. Auch das Auswechseln von Gesichtern, sogenanntes Face Swapping ist möglich. Eine Funktion, die die Kardashians für sich gefunden haben? 

Gesichter Tausch

„In Hollywood ist das ein Standardverfahren“, erklärt KI- und Medienexperte Michael Katzlberger. Gesichter werden gealtert, verjüngt oder schlichtweg ausgetauscht und beispielsweise auf das Gesicht des Stuntmans produziert. Ein praktisches, seiner Meinung nach ethisch korrektes Verfahren, das die Qualität und Glaubwürdigkeit eines Filmes verbessern kann. Aber laut Katzlberger strengsten Vorschriften unterliegt.

„The Kardashians“ ohne Kardashians

Wäre es also mithilfe von Face Swapping sogar möglich „The Kardashians“ ohne deren Anwesenheit zu produzieren? „Die halten das natürlich alle geheim“, betont Medienexperte und Speaker Christoph Holz. Aber „The Kardashians“ ohne die Kardashians wäre aus technischer Sicht möglich, bestätigen sowohl Holz als auch Katzlberger. Menschen mit ähnlichem Körperbau könnten die Kardashians, ihr Leben und ihre Dramen nachspielen. Vor der Veröffentlichung müssten lediglich ihre Gesichter angepasst werden. Die Gesichter der Darsteller würden im Nachhinein durch die Gesichter der Kardashians ausgetauscht werden. Ein Verfahren, das bei den Kardashians besonders leicht wäre. Da es genügend Aufnahmen von ihnen aus vorherigen Folgen, Staffeln und Serien gibt.  „Dafür braucht man allerdings Zeit und Budget. Ich geh mal davon aus, dass die Kardashians das Budget haben“, fügt Katzlberger hinzu. 

Hinter der aufmerksamkeitserregenden Szene vermutet Katzlberger allerdings kein Face Swapping sondern Weichzeichner. Diese reduzieren die Bildschärfe, wodurch die Haut und die Gesichtskonturen glatter und weicher erscheinen. Auch das in der Serie verwendete helle Licht, dient laut Katzlberger zur Reduzierung von Falten. Die Kritiker können aufatmen. Die Serie ist nur perfekt inszeniert. Nicht manipuliert. Oder etwa doch?

Die Wahrheit war nie Reality

„Hat Reality TV jemals den Anspruch gehabt nicht fiktional zu sein? Das war doch schon immer Fiktion“, resümiert Holz. Denn wo endet Inszenierung und wo beginnt Manipulation?  Sind Kritiker, die ein Verbot von KI-überarbeiteten Filmen und Serien fordern, wirklich auf der Suche nach der Wahrheit? Oder sehnen sie sich lediglich nach den „guten alten Zeiten“?Einer Zeit, in der die erste Reaktion auf unfassbare Geschichten, atemberaubende Aufnahmen und verblüffende Szenen ein schlichtes „Wow“ und nicht „Ist das überhaupt echt?“ war. Ohne zu prüfen, ob das Gesehene inszeniert, bearbeitet oder verfälscht ist. Aber was, wenn diese Reaktion nicht alarmierend, sondern fortschrittlich ist? Vielleicht ist KI nicht das Ende der Wahrheit, sondern ein Werkzeug, das uns dazu auffordert, nach ihr zu suchen. Anstatt sie weiterhin unhinterfragt und blind zu übernehmen.


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