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Social Faces: Neues Werbemodell schafft interessante Nebenjobs

Laiendarsteller als neue Testimonials der Werbeindustrie für Social Media-Kampagnen sind zunehmend gefragt. Für Schüler und Studenten ist das eine Chance, Erfahrungen zu sammeln und etwas Geld zu verdienen.
Georg Krierer  •  19. Januar 2026 Volontär    Sterne  26
Eine Frau bei einem Dreh für eine Onlineplattform (Foto: Shutterstock)
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Bisher standen eher prominente Models oder reichweitenstarke Social-Media-Stars im Rampenlicht der Werbeindustrie, doch zunehmend treten Jugendliche und junge Erwachsene ganz ohne einschlägige schillernde Karriere vor die Kamera und freuen sich über einen Nebenjob mit wachsenden Angeboten. „Social Faces“ posieren in Fotos und Videos für Werbung und PR und transportieren mit ihrem individuellen Auftritt die Botschaft von Marken und Produkten.

Für viele klingt das nach dem idealen Studentenjob: Etwas Geld verdienen, kreative Erfahrung sammeln und dabei bodenständig bleiben, fernab von der Maskerade und dem Reichweiten-Druck der Medienbranche. „Wir buchen immer wieder für Social Media-Projekte Laiendarsteller hinzu, weil Kunden sich das wünschen, weil es die Konzepte erfordern oder weil wir das schlichtweg wollen“, sagt René Welter, Geschäftsführer der Kreativ-Agentur [Kju:], die sich in diesem Bereich einen Namen gemacht hat. Als kleinere Agentur sei man damit der Konkurrenz voraus. Die Großen seien oft zu träge, um rasch auf derartige neue Entwicklungen zu reagieren.

Vom Catwalk zum Content-Erlebnis

Wer Social Face werden will, muss sich keinem klassisches Model-Casting stellen. Meist reichen ein sympathisches Video und ein Link zum eigenen Social-Media-Profil. Die Aufträge können vielfältig sein. Vom Produktvideo über Eventauftritte bis zu kleinen Promotion-Aktionen. Die Bezahlung reicht allerdings auch nicht an jene der Celebrities heran. Rund 15 Euro die Stunde fallen an. In Summe kommen pro Buchung kaum 100 Euro zusammen. Was nicht üppig ist, für Studierende aber allemal attraktiv, weil die Jobs neben jedem Studium machbar sind. Manchmal winken zusätzlich Goodies, etwa in Form von Produktsamples. Zur Reportage über meinen Selbstversuch als Social Face für die Handelskette Billa geht es hier .

Das Konzept Social Face setzt auf niedrigschwellige Teilnahme, auch in der Rekrutierung. [Kju:] etwa hat dafür eine eigene Datenbank mit inzwischen rund 250 Gesichtern aufgebaut. „Neunzig Prozent unserer Social Faces sind unter dreißig“, sagt René Welter. „Aber wir haben inzwischen Menschen aller Altersklassen und aller Hintergründe im System. Unser ältestes Social Face ist ein Mann mit 75, den wir schon oft eingesetzt haben. Diversität ist entscheidend, denn die Anforderungen unserer Kunden sind vielfältig.“

Menschen für Menschen

Warum das Konzept so gut funktioniert, liegt für Welter auf der Hand: „Social Media sind von Menschen für Menschen gemacht. Inhalte mit echten Gesichtern wirken nahbarer, glaubwürdiger und ermöglichen Konzepte, die ohne echte Menschen nicht funktionieren würden.“

Anders als klassische Influencer inszenieren Social Faces keine perfekte Lifestyle-Welt. Vielmehr tauchen sie für die jeweiligen Kampagnen in unterschiedliche Rollen ein. Als Supermarkt-Testerin etwa. „Bei einer Kampagne für ein neues Deo haben wir drei Social Faces eingesetzt, die auf die Straße gingen und mit Passanten interagierten. Das hat richtig gut funktioniert“, erzählt Werber Welter.

Werbung der Zukunft

Social Faces sind Teil einer Entwicklung, in der die Grenze zwischen Konsumenten und Marken verschwimmt. „Menschen vertrauen Menschen. Wir glauben, dass unsere Social-Face-Datenbank ein langfristig wertvolles Asset ist, für authentische Videos und insgesamt für die Weiterentwicklung kreativer Kampagnenformate“, sagt Welter.

So charmant und flexibel der Job klingt, Schattenseiten hat er neben den annähernd symbolischen Gagen auch. Die Einsätze sind oft spontan nötig, planbar ist wenig. Große Karrieren von Social Faces gab es zumindest bisher noch keine. 

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