Wien | Gesundheit | Meinung | Chronik | Kultur | Umwelt | Wirtschaft | Politik | Panorama
KulturWienFakten

Wiener Taxigewerbe durch NÖ-Lenker unter Druck

Wiener Taxifahrer regen sich über ihre niederösterreichischen Kollegen auf. Sie werfen ihnen vor, unerlaubt im Stadtgebiet zu fahren und so die Wettbewerbsbedingungen für Wiener Taxisfahrer zu verschlechtern. Vermittlungsplattformen wie Uber und Bolt sollen ebenfalls eine Rolle spielen. In Wien schwelt ein Taxi-Krieg.
Anna Friess  •  31. März 2026 Volontärin    Sterne  12
Taxis in Wien bangen um Kundschaft. Währenddessen nehmen NÖ Lenker in Wien unerlaubt unzählige Aufträge an. Durch Vermittlungsplattformen sparen sie sich das Warten in Niederösterreich. Für Wiener Taxis eine zusätzliche Belastung. (Foto: iStock/ l_Valentin)
X / Twitter Facebook WhatsApp LinkedIn Kopieren

Heinrich Übleis (Name geändert), fährt seit mehr als vierzig Jahren Taxi und kennt alle Höhen und Tiefen des Jobs. Im Gespräch mit campus a erzählt er von dem spürbar wachsendem Konkurrenzdruck. Der würde vor allem durch Lenker aus NÖ verstärkt werden. Laut ihm treiben sich am häufigsten Mödlinger und Schwechater Fahrer innerhalb der Stadt herum. Vermittlungsplattformen wie Uber und Bolt machen es einfacher für sie, in Wien Kundschaft zu generieren.

Heinrich, sowie einige andere Fahrer vor dem Hütteldorfer Bahnhof berichten von potenziellen Fahrgästen, die in der Nähe des Taxistandes stehen, sich jedoch sichtlich ihre Fahrten online bestellen. „Die Niederösterreicher nehmen den Wiener Taxiunternehmen das Geld, das Geschäft weg“, heißt es. Heinrich frustrieren Situationen wie diese, aber er betont auch, er könne nichts dagegen tun: „Die sehen, da stehen zehn Taxis und warten auf Kundschaft und sie bestellen trotzdem über die Apps. Ist halt Schade ums Geschäft.“

Konkurrenz aus dem Umland

Die Regeln sind jedoch klar: Taxis dürfen Fahrgäste nur in jenem Bundesland aufnehmen, in dem sie zugelassen sind. Fahrten von Niederösterreich nach Wien und vorbestellte Fahrten zurück nach NÖ sind erlaubt. Spontane Fahrten sind tabu. Die Wiener Taxifahrer schätzen die Zahl der niederösterreichischen Lenker in Wien auf täglich 1.000 bis 1.500. Bei rund 6.000 aktiven Wiener Taxis würde das einen erheblichen Anteil darstellen. Genaue Zahlen fehlen. Weder die Stadt noch die Polizei erfassen systematisch, wie viele niederösterreichischen Taxis tatsächlich außerhalb der ihnen gesetzten Grenzen agieren.

Die Taxiinnung Niederösterreich reagierte auf eine campus a-Anfrage ausweichend. Sie verwies auf allgemeine Gesetze: „Bei Fahrten im Raum Wien sind Anforderungen der einschlägigen verkehrsgewerblichen Vorschriften zu beachten. Dies gilt für Wiener und NÖ Taxis gleichermaßen“, flüchtet sich ein Sprecher in Worthülsen. Laut der Innung würde die Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Wien und dem Fachverband der WKO bestens funktionieren. Eine Einschätzung zu Verstößen und Kontrollen wollte man nicht abgeben. Mit Wiener Behörden würde es kaum Berührungspunkte geben, heißt es bloß.

Digitale Plattformen verändern den Markt

Kein Wunder. Denn erwischt die Wiener Polizei dann doch einmal einen niederösterreichischen Fahrer, hat er wenig zu befürchten. Er kann einfach auf die Vorbestellung der Fahrt, etwa über Uber, verweisen und muss im Sinne des Datenschutzes Start und Ziel der Fahrt nicht angeben.

Vermittlungsplattformen verstärken das Problem also. Vorbestellte Fahrten fallen aus den gesetzlichen Regelungen. Ein Taxifahrer am Wiener Westbahnhof bemängelt den Umgang der Behörden: „Da wird jetzt keiner fragen, wo Sie eingestiegen sind und wo Sie hinfahren. Es wird nur der Fahrer überprüft. Die werden sagen, dass es eine Vorbestellung von Uber ist. Fertig.“ Konsequenzen folgen also keine. „Ihnen sollte man eigentlich die Lizenzen entziehen. Aber ja, wie will man das kontrollieren?“

Konzessionierten Wiener Taxis (Kennzeichenendungen TX, ATX, BTX, CTX) haben es zunehmend schwerer, konkurrenzfähig zu bleiben. Eveline Hruza, die Generalsekretärin von Taxi 40100, spricht von Wettbewerbsverzerrung durch Taxis aus Niederösterreich und Vermittlungsplattformen. „Taxis, die in Niederösterreich gemeldet seien, hielten sich an keine der für Wien geltenden Regeln wie Gewerberecht, Tarifrecht und die Landesbetriebsordnung. Solange sie nicht kontrolliert würden, bleibe Wien also ein lukratives Pflaster für Fahrer aus dem Umland. Hruza fordert mehr behördliche Aufmerksamkeit für das Problem. „Prinzipiell ist Wettbewerb gut, solange sich alle an die rechtlichen Regularien halten“, sagt sie.

Beschwerden und Behörden

Der Taxifahrer am Westbahnhof erzählt aus der Praxis. Die Polizei könne nicht tagtäglich tausende Taxis kontrollieren, sagt er. Das wisse er von Gesprächen mit Beamten. Da würden die personellen Ressourcen fehlen. Die Taxiinnung Wien und viele Wiener Lenker fordern seit Langem strengere Überprüfungen.

Die Wiener Taxifahrer machen ihrem Unmut längst Luft. Im vergangenen Herbst und zuletzt am 20. Jänner demonstrierten sie für Gebietsschutz und faire Regeln im Konkurrenzkampf mit den Vermittlungsplattformen.

Alltag zwischen Warten und Unsicherheit

Taxifahrer Heinrich Übleis bleibt nur die Hoffnung auf gesetzliche Verbesserungen. Es würde an der Taxiinnung sowie der Wirtschaftskammer liegen, etwas zu ändern. „Ich würd mir schon wünschen, dass ich wieder besser verdiene und dass es einfach wieder netter zu fahren wird“, sagt er. Er will trotz aller Schwierigkeiten an seinem Beruf festhalten. Für ihn und viele andere ist das Taxi Teil der Stadt.


campus a-Preis für Nachwuchsjournalismus

Werde Teil der campus a-Redaktion!

Verfasse auch du einen Beitrag auf campus a.

Empfehlungen für dich

Kommentar
0/1000 Zeichen
Advertisement