Im Zentrum des Böhmischen Crystal Valley schlägt das Glasherz Europas. An diesem Ort treffen Tradition und Innovation aufeinander, und genau hier hat die Preciosa Group ihren Ursprung. In der schillernden Welt der Glaskristalle entfaltet sich ein Wettstreit aus Glanz, Perfektion und Prestige. Mit handwerklichen Geschick und modernster Technologie tritt Preciosa an, um sich in diesem anspruchsvollen Markt zu behaupten. Swarovski, der österreichische Riese, galt lange Zeit als unangefochtener Spitzenreiter, doch Preciosa holt mit einer vielfältigen Produktpalette und dynamischer Entwicklung zunehmend auf. Die Unterschiede zwischen den beiden Glaskristallherstellern und die überraschenden Gemeinsamkeiten, werfen ein neues Licht auf das Glaskristallhandwerk.
Preciosa, ein tschechisches Unternehmen, ist auf die Herstellung von Glaskristallen spezialisiert. Der Firmensitz liegt in Jablonec nad Nisou, im Herzen des Böhmischen Crystal Valley. Die Preciosa Group vereint mehrere Tochtergesellschaften und befindet sich im Besitz der Familie Ludvíka. Geführt wird das Unternehmen von Karla und Lucie Ludvíka. Das Sortiment reicht von Kronleuchtern und Kristallschmuck über Glaskorken bis hin zu Glasperlen. Preciosa verbindet traditionelles Handwerk mit der Dynamik der modernen Welt. Dieser Leitgedanke prägt die Unternehmensphilosophie.
Das traditionsreiche Unternehmen beschäftigt aktuell rund 4.000 Mitarbeiter in ihren Produktionsstätten in Tschechien, China und Japan (Stand 2023). Wirtschaftsergebnisse veröffentlichte Preciosa bisher nicht. Allerdings belief sich laut der tschechischen Ausgabe der Forbes der Jahresumsatz 2023 auf 1,6 Milliarden Tschechische Kronen, umgerechnet etwa 64 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beläuft sich auf rund 8 Millionen Euro.
Mehrere große Unternehmen prägen die Glasbranche, allen voran der Swarovski Konzern, der wohl als Hauptkonkurrent von Preciosa gilt. Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2023 ist Swarovski deutlich größer als Preciosa. Die Marktdominanz von Swarovski erkennt man auch deutlich bei der Preisgestaltung der beiden Konkurrenten. Eine schlichte silberne Kette mit Kristallanhänger kostet bei Swarovski etwa 89 Euro, während Preciosa für ein vergleichbares Produkt nur 45 Euro verlangt. Ähnlich verhält es sich bei den Glasperlen. Während Preciosa 14 Cent pro Stück berechnet, verlangt Swarovski knapp 18 Cent.
Preciosa und Swarovski weisen viele Gemeinsamkeiten auf, vor allem in der Kristallherstellung. Swarovski führte den Markt über Jahre hinweg an und genoss einen technologischen Vorsprung von 10 bis 15 Jahren. Doch diese Überlegenheit gehört der Vergangenheit an. Preciosa hat den Rückstand aufgeholt, sodass sich die Produkte der beiden Unternehmen mittlerweile nur noch unter Laborbedingungen unterscheiden lassen.
Der Verlust dieses Vorsprungs könnte die Folge strategischer Entscheidungen in Wattens sein. (mehr dazu hier) 2015 schloss Swarovski sein Werk im tschechischen Crystal Valley. Preciosa und andere lokale Unternehmen kauften Gerüchten zu Folge die Maschinen und übernahmen Mitarbeiter. Ein Know-how-Transfer könnte die Folge gewesen sein. Der bisher stets strenge Schutz von Firmengeheimnissen dürfte laut internen Quellen inzwischen eine geringere Rolle spielen.
Preciosa konzentriert sich stark auf das B2B-Geschäft, während Swarovski eine hybride Strategie verfolgt, die sowohl Einzelhandel als auch Unternehmensgeschäfte umfasst. Seit der Umstrukturierung im Jahr 2020 hat Swarovski zahlreiche langjährige B2B-Partnerschaften beendet. Dies eröffnete Preciosa die Chance, neue Kunden zu gewinnen. Interne Quellen berichten sogar, dass Swarovski ehemaligen Geschäftspartnern empfohlen haben soll, Preciosa als Alternative in Betracht zu ziehen.
Auch die Verpackungen der beiden Unternehmen ähneln sich auffallend, was innerhalb der Swarovski-Belegschaft zu Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit der Konzerne führt. Zudem wird gemunkelt, dass auch die Eigentümer beider Unternehmen hinter den Kulissen gemeinsame Interessen verfolgen und in geschäftlichen Austausch stehen. Hinzu kommen interne Gerüchte aus Wattens, welche diese Kooperation weiter bestätigen sollen. Ein mögliches Indiz dafür könnte eine angebliche Reise von Swarovski-Mitarbeiter:innen zum Preciosa-Werk in Tschechien sein. Preciosa und Swarovski bleiben hier auch nach mehrmaligem Nachfragen stumm.
Internen Gerüchten aus dem Swarovski-Umfeld zufolge, äußerte Markus Langes-Swarovski bereits 2015 Interesse an einem Anteilserwerb von Preciosa. Ob es tatsächlich zu einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen kam, bleibt unklar. Äußern wollten sich die Unternehmen zu diesen Gerüchten nicht. Klar ist jedoch, dass Preciosa weiterhin ambitioniert an seiner Marktposition arbeitet und dabei sowohl durch strategische Entscheidungen als auch durch technologischen Fortschritt überzeugt.
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