Zurzeit sprechen alle über die größte Insel der Welt, vor allem wegen Donald Trumps Plan, Grönland zu übernehmen. Die USA brauche, so behauptet er, Grönland aus Gründen „nationaler Sicherheit“, obwohl sie laut dem Verteidigungsabkommen von 1951 mit Dänemark jederzeit mehr Militärstützpunkte auf der Insel aufbauen dürften. Eine junge Grönländerin empfiehlt Trump in der Tagesschau, ein bisschen mehr in die Natur zu gehen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Dafür ist Grönland tatsächlich sehr gut geeignet.
Weiße Landschaften, blaue Gletscher, Ausblicke auf Eisberge, Eisschollen und das Meer. Grönlands Natur ist wunderschön. Wer allerdings kälteempfindlich ist, wird dort keinen entspannten Urlaub haben. Rund 80% der Insel sind von Eis bedeckt und es kann im Extremfall bis zu minus 50 Grad kalt werden. Durch die Klimakrise steigen allerdings die Temperaturen, gerade schwanken sie zwischen einem und minus 16 Grad. Die höchste jemals gemessene Temperatur betrug im Juli 2016 allerdings fast schon heiße 20 Grad.
Der Sommer ist auch die Jahreszeit, in der viele Touristinnen nach Grönland reisen, um sich die Mitternachtssonne anzusehen, im Winter sind die Nordlichter eine Attraktion. Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote für Touristinnen, viele davon versprechen Abenteuer: Von Wanderungen, Hundeschlitten- oder Bootsfahrten bis zu Helikoptertouren ist alles dabei. Auf der größten Nebeninsel Grönlands, der Diskoinsel, bietet sich eine Wanderung zwischen Vulkangesteinen und heißen Quellen an. Weitere touristische Angebote sind Übernachtungen in einem Iglu oder eine Kajaktour. „Kajak“ ist übrigens ursprünglich ein grönländisches Wort.
Vom Wasser aus können Besucherinnen die Fjorde, Gletscher und Eisberge bestaunen, der Ilulissat-Eisfjord gehört sogar zum UNESCO Weltnaturerbe. Der ehemalige Bürgermeister der 5000-Einwohner:innen-Stadt, Palle Jeremiassen, spricht sich in einer Reportage des Standard gegen Massentourismus aus. Die Zahlen an Touristinnen steigen in den vergangenen Jahren, vielleicht weil Grönland so dünn besiedelt ist und zum Durchatmen einlädt.
Ilulissat ist die drittgrößte Stadt der Insel. In der Hauptstadt Nuuk leben 20. 000 Menschen, also mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung, die rund 56 000 Menschen ausmacht. Wels hat also mehr Einwohner:innen als ganz Grönland. Die Website „Visit Greenland“, die zahlreiche Reisetipps parat hat, beschreibt Nuuk als modern, aber mit Kleinstadtcharakter. Hier gibt es Kunst, Kultur und Kulinarik. Am achten Februar findet zum Beispiel ein Schneefest statt und das Kulturzentrum Katuaq veranstaltet regelmäßig kostenlose Kultur- oder Poesieabende.
Was essen Grönländerinnen? Vor allem viel Fisch und Meeresfrüchte. In Ilulissat lebt immer noch jede Dritte vom Fischfang. Insbesondere die Fischerinnen erleben den Klimawandel hautnah mit: Die Fische werden immer kleiner.
Besonders Mutige können „Mattak“ kosten, eine Delikatesse aus Walhaut. Für Bierfans ist die Teilnahme an einer Bierverkostung in Nuuks Brauerei „Godthaab bryghus“ ein Highlight, bei der ein Ale aus Zuckertang, einer Braunalge, nicht fehlen darf. Auf der Karte des oben erwähnten Kulturzentrums in Nuuk finden sich vor allem grönländische Spezialitäten, darunter der Fisch des Tages oder ein Rentierschnitzel. Sehr nach Touristenfalle klingen Cocktails mit Gletschereis. Noch makabrer ist allerdings, dass auch Bars in Dubai Gletschereis aus Grönland kaufen, um dort eine arktische Atmosphäre im Glas zu schaffen.
Ein 39-stündiger Flug nach Nuuk diesen Winter ist ab 640 Euro möglich. Im Sommer gibt es auch Angebote für zehn Stunden und 438 Euro. Eine andere Möglichkeit zur Anfahrt sind Kreuzfahrtschiffe. In Grönland selbst ist die Fortbewegung mit Hundeschlitten, Booten, Schneemobilen oder sogar Helikoptern üblich. Die Hauptstadt hat allerdings auch ein Busnetz mit vier Linien.
Route 1 oder 2 können Urlauberinnen vom Stadtzentrum aus benutzen, die im billigsten Hostel Grönlands „Isi4u Sleep ‘n go“ unterkommen. Ein Bett im Schlafsaal kostet 33 Euro. WLAN und Parkplatz sind inklusive, genau wie Garten und Gemeinschaftsküche.
Wer gerne etwas luxuriöser direkt am Gletscher in einer Hütte wohnen möchte, kann das für fast 1250 Euro pro Nacht tun. Das „Glacier Lodge Eqi“ ist so weit nördlich, dass das Personal der Unterkunft Gäste mit dem Boot für eine dreieinhalbstündige Fahrt von Ilulissat abholt. Bis auf eine Handvoll Hütten gibt es hier nichts außer Natur. Somit ist das Glacier Lodge Eqi perfekt für Trump und alle anderen, die einen klaren Kopf bekommen wollen.
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