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Lusterboden: Was macht das Wiener Musikerduo so erfrischend?

Lusterboden heißt der Dachboden über der Bühne des Burgtheaters. Dort lernten sich Florian Klingler (23) und Merlin Miglinci (24) schon als Kinder kennen. Der Ort sollte später der Name eines Projekts werden, das heute fester Bestandteil ihres Alltags ist: Die Band Lusterboden.
Noemi Koch  •  27. Februar 2026 Volontärin    Sterne  12
Florian und Merlin gründeten 2024 die Band Lusterboden. Im April erscheint ihr zweites gemeinsames Album „Na Bravo“. (Foto: Alex Halada)
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Im Mai 2024 erschien ihr Debütalbum “Sturz auf Wien”. Mit jungem Charme und ihrem ganz eigenen Stil erobert das Duo Florian Klinger und Merlin Miglinci seither die Wiener Musikszene. Mit Auftritten am Wiener Rathausplatz oder im Konzerthaus und mehr als 34.000 monatlichen Hörern auf Spotify, genießt die Band einen kontinuierlichen Anstieg an Bekanntheit. Im April kommt die zweite Platte “Na Bravo” und im Sommer sind Auftritte am Popfest Wien sowie am Donauinselfest geplant.  

“Wenn man unsere Musik hört, sind das eigentlich nur wir zwei. Es geht darum, dass wir gerne in der Stadt unterwegs sind. Wir haben Spaß, wir treffen uns und zeigen das dann mit unserer Musik. Und dabei versuchen wir nicht Kunstfiguren zu sein”, erklären mir Florian und Merlin bei unserem Treffen im Gasthaus Steindl. Sie kennen die Besitzer der urigen Kneipe, es ist einer ihrer liebsten Orte in der Stadt, die beide schon ihr gesamtes Leben begleitet hat.  

Noemi Koch im Interview mit LusterbodenIm Gespräch erzählen Florian und Merlin von dem Projekt ihrer Band und teilen Anekdoten aus ihrem Alltag. (Foto: Alex Halada)

Neuinterpretation des Wienerliedes 

Seit nunmehr 13 Jahren kennen sich die beiden Wiener Studenten. Während Florian noch mitten in seinem Studium am Max-Reinhard-Seminar steckt, hat Merlin sein Studium an der Boku schon abgeschlossen. Wien ist nicht nur ihr zu Hause, sondern auch Muse ihrer musikalischen Begeisterung. Mit Liedern wie “Auf Der Donau Tretboot Fahren”, “Nackter Danzer” oder “Vespa fahren” präsentieren sie sich als echte Wiener, die es schaffen, die Essenz der Stadt auf den Punkt zu bringen. Ganz nach dem Wienerlied, das lange als ihr Vorbild galt. 

“Wir wollten musikalische Elemente aus dem Wienerlied nehmen, aber gleichzeitig unser Leben damit verbinden und einen abstrakteren Sprachzugang finden”, erzählt Florian. Merlin fügt hinzu hinzu: “Ein Wienerlied in dem Sinne von damals war ja auch in der Instrumentierung sehr gesetzt, aber das haben wir anders gemacht. Wir schauen einfach, was cool klingt und machen Musik, auf die wir gerade Lust haben.” Mit ihrem Stil finden sie vor allem in der jungen Wiener Szene Anklang.  

Wie aus Freundschaft Lusterboden wurde 

Musik war immer ein fester Bestandteil ihrer Freundschaft, doch hinter der heutigen Band Lusterboden steckte keine ursprüngliche künstlerische Vision. Eher spontan haben die beiden begonnen, zu musizieren und ihre Freundschaft in Texte und Melodien umzusetzen. Ihr erstes Album war ein vierjähriges Projekt, das zunächst nur aus Spaß und Freude zur Musik entstand. “Dann haben uns Freunde von Merlin gefragt, ob wir mal auftreten wollen, und wir haben uns dafür entschieden, das Konzert zu spielen und unser Album aufzunehmen. Danach dachten wir eigentlich: so das wars jetzt.” Ihr Konzert auf dem Kiosk “Ausgabe” im 9. Bezirk fand jedoch mehr Anklang als erwartet. Erste Anfragen folgten und aus einer kleinen Idee wurde somit ein ernsthaftes Projekt.  

Florian und Merlin in GedankenLusterboden im Gespräch mit Noemi Koch (Foto: Alex Halada)

Dort wo Freude und Spaß zu Musik werden 

Im Interview wird deutlich, dass hinter Lusterboden nicht nur eine tiefe Freundschaft steckt, sondern gleichzeitig eine grundsätzliche Freude zum Schaffen. “Wir haben auch einfach immer viel Blödsinn und Schabernack gemeinsam gemacht und das sieht man jetzt auch in unserer Musik”, gesteht Merlin mit einem Grinsen im Gesicht. Auch die Arbeit im Studio ist eher unkonventionell. Meist sitzen sie bei Enzo Gaier – dem Bibiza-Gitarristen und engen Freund der beiden Musiker – zu Hause auf der Couch. Mit dabei ist sein Baby, auf das parallel neben den Aufnahmen neuer Songs aufgepasst werden muss. Auch im Hintergrund ihres neuen Albums hört man gelegentlich Babygeschrei, erzählen beide begeistert, während sie humorvolle Anekdoten aus ihrer Studioarbeit teilen. “Die ganze Freude, die wir beim Aufnehmen haben, die hört man auch raus und das ist auch, was Lusterboden ausmacht.” 

So klingt Freundschaft und Vertrautheit 

Ob beim Schrammelklang-Festival, bei dem die Band vergangenen Sommer aufgetreten ist, der Bandwoche in einer Windmühle in Niederösterreich oder bei den Fotoshootings für das kommende Album: Lusterboden versteht es, Spaß zu haben. Über ihre Bandkollegen sprechen sie begeistert: “Das sind so super Musiker, sie machen selbst ihre Variationen, bringen ihren eigenen Charakter ein und das macht dann einfach Spaß”. 

Ihr Team haben sie sich selbst aufgebaut und aktuell werden sie von keinem Label unterstützt. In ihrer Anfangszeit gingen sie zwar noch auf verschiedene Labels zu, erhielten jedoch keine Antwort. Über das sind sie im Nachhinein froh, denn ihre Arbeit schaffen sie auch ohne Label zu managen. Hilfe erhalten sie zwar von einer Wiener Konzertagentur, den Rest bewerkstelligen sie mit ihrem Team aus Freunden und Bekannten. Dadurch entstehen eine Vertrautheit, Flexibilität und Intimität, die die Band heute zu schätzen weiß.  

Merlin und Florian lachend an den Tisch gelehntSeit 13 Jahren kennen sich Merlin und Florian. (Foto: Alex Halada)

“Na Bravo”: Eine Stilveränderung und ein neues Album 

Obwohl Spaß und Freude im Vorrang ihrer Musik stehen, kann Lusterboden auch anders. Das wollen sie insbesondere in ihrem kommenden Album “Na Bravo” beweisen. Am 10. April soll es erscheinen, rund einen Monat später, am 20. Mai, ist das Album Release Konzert im Porgy & Bess. Aufgrund ihrer Vorliebe und Affinität für Jazz-Musik, erfüllt die bekannte Location einen ihrer Träume.  

Bei der Ausarbeitung ihres neuen Albums haben Florian und Merlin das persönliche und selbstreflektierte Schreiben und Musizieren für sich entdeckt. “Es hat einfach eine andere Wirkung, wenn man über etwas singt oder schreibt, was für einen sehr viel Bedeutung hat”, meint Florian im Gespräch. “Na Bravo” geht der Frage nach, wie man künstlerisch mit schwierigeren Zeiten umgeht. Es ist eine Selbstreflexion und gleichzeitig ein ehrlicher und offener Spiegel der eigenen Gedanken, Gefühle und Erlebnisse. 

Die Platte bietet keine Antwort auf Fragen, noch soll sie belehren. “In all diesen Monaten, wo wir das Album geschrieben haben, hatten wir super Momente und dann aber auch so Sachen, wo man auf die Goschen fällt und trotzdem weiter macht”, betont Merlin. Das Wienerlied verliert also an bewusstem Stellenwert, herein kommt ein ganz eigener Charakter der Band und die Suche nach Fragen wie: Wer bin ich und was ist mir wichtig? 

Über Verletzlichkeit zu Fernweh und Veränderung 

Besonders stolz sind sie auf die letzte Single des neuen Albums, die am 20. März erscheinen soll. “Burschen weinen nicht” ist ihr erstes und einziges Cover. Als Vorlage diente “Boy’s Don’t Cry” von The Cure. “Es gibt diese Regel, dass Burschen nicht weinen sollten, und in unserem Album haben wir genau das Gegenteil gemacht.” In der bereits erschienenen Single “Träumen Haarausfall” singt das Duo über Fernweh und den Wusch, Wien zu verlassen.

Florian kann sich mit diesen Gedanken durchaus identifizieren und hegt regelmäßig den Wunsch, mal wegzukommen und den Kopf freizumachen: “Wien ist für mich wahnsinnig vorbehaftet. Nicht nur im Positiven, auch im Negativen”, gesteht er. Der wiederholte Wien-Bezug in ihrer Musik, ist dem geschuldet, dass die Stadt für beide das zu Hause und damit ständige Vorlage ist. 

Gleichzeitig schließen sie einen möglichen Tapetenwechsel nicht aus. “Wien wird uns häufig übergestülpt, aber im Endeffekt sind wir auch nur Leute, die Musik machen und die von ihrem Umfeld geprägt sind. Das Projekt wird sich immer verändern und das Schlimmste was passieren könnte, wäre, wenn Lusterboden immer gleichbleibt.”  

Klar wird: Hinter Lusterboden steckt weitaus mehr als der Dachboden des Burgtheaters. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Veränderung, dem Leben und der Musik als ständiger Begleiter. Für 2026 wünschen sich die beiden viel, wobei eins im Vordergrund steht: “Mich würde es einfach wahnsinnig freuen, wenn dieses Album gut ankommt. Wir haben so lange daran gearbeitet und so viel Liebe und Gedanken reingesteckt. Wenn das den Menschen gefällt und Aufmerksamkeit bekommt, ist es super.”  


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