Eine Mitarbeiterin, schildert ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag in einem österreichischen Unternehmen.
„Der Alltag zwischen Privatem und Arbeit verschwimmt zunehmend“, erzählt Karin Kroneisl, die seit der Pandemie überwiegend im Homeoffice, als Managerin in der Vertriebssteuerung, arbeitet. Was nach Freiheit klingt, fühlt sich für fast jeden anders an. Pausen gehen im Arbeitsfluss unter, der Feierabend verläuft stillos in Überstunden.
„Man merkt oft gar nicht, dass man durcharbeitet“, sagt Kroneisl. Wo kein Chef über die Schulter blickt, übernehmen Selbstdisziplin und Kalendererinnerungen die Kontrolle. Die Flexibilität bringt paradoxerweise auch eine neue Form der Dauererreichbarkeit mit sich. Der Laptop ist stets griffbereit und der Kopf selten wirklich frei.
Auch wer wieder regelmäßig ins Büro kommt, spürt, dass sich die Arbeitswelt verändert hat. Unternehmen setzen inzwischen auf „remote working“ oder hybride Modelle.
„Wir haben fixe Teamtage. Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen treffe ich gar nicht mehr“, sagt Kroneisl. Aus der früheren Bürogemeinschaft sind kleine Inseln geworden. Freundschaften entstehen seltener, spontane Gespräche weichen Online-Meetings. Statt Kollegen übernehmen Nachbarn, Partner oder Haustiere soziale Rollen.
Auch die soziale Dimension spielt eine Rolle. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist mit beruflicher Entwicklung verknüpft. Informelle Gespräche, spontane Abstimmungen oder kurze Rückfragen sind die Grundlage dafür.
Die Arbeiterkammer Wien warnt vor der sogenannten „professionellen Isolation“. Das ist die subjektiven Wahrnehmung, im Job abgeschnitten zu sein. xxx Grammatik) „Wer nicht physisch präsent ist, läuft Gefahr, mit seiner Arbeit weniger sichtbar zu sein“, heißt es dort. Fehlende Sichtbarkeit kann langfristig Karrieremöglichkeiten beeinträchtigen und die Identifikation mit dem Unternehmen schwächen.
„Zwangspausen helfen mir. Zum Beispiel, wenn ich mit dem Hund rausgehe“, sagt Kroneisl. Im Homeoffice entwickeln sich neue Rituale zwischen Arbeit und Alltag. Eine Frage bleibt damit offen. Wie gelingt ein Leben, wenn Arbeit und zuhause eins geworden sind?
Homeoffice ist Bestandteil der digitalisierten Arbeitswelt. Dabei spielen klare Grenzen zwischen Flexibilität und Erreichbarkeit sowie Freiheit und sozialer Nähe eine zentrale Rolle.
„Ein hohes Ausmaß an Homeoffice verstärkt das Verschwimmen von Arbeit und Freizeit, da die Sphären räumlich nicht mehr getrennt sind. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn Beschäftigte und Führungskräfte glauben, immer erreichbar sein zu müssen. Das erschwert das Abschalten nach der Arbeit erheblich“, heißt es in einer Studie der Universität Wien.
“Die Intensivierung der Arbeit im Homeoffice, die durch die engere Taktung und durch den starken Fokus auf die Tätigkeit selbst beobachtet werden konnte, hat zu einer erhöhten Produktivität geführt. Langfristig kann diese hohe Intensität aber nicht gehalten werden. Nachhaltiger wäre eine ausgewogene Balance zwischen Remote und Büro”, so Bettina Kubicek von der Universität Graz.
Tatsächlich nimmt die Zahl jener, die dauerhaft remote arbeiten, wieder ab. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deloitte Flexible Working Studie in Kooperation mit der Universität Wien.
Juliana Wolfsberger, Deloitte-Managerin und Expertin für Human Capital, erklärt: „Der Rückgang hat weniger mit Produktivität zu tun, sondern vor allem mit dem Wunsch, Mitarbeitende wieder stärker an das Unternehmen zu binden.“
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