Da sitzen sie wieder alle in den Cafés. Mit ihren Sonnenbrillen und Aperols genießen die Menschen die Sonne. Mit den ersten warmen Tagen füllen sich die Straßencafés , Allergiker sitzen mit tränenden Augen und Taschentuch leidend daneben. Statt schönem Frühlingsgefühl gibt es Niesattacken.
Konzentration und Leistungsfähigkeit leiden und selbst einfache Aufgaben werden zur Herausforderung. Besonders Lernphasen und Prüfungen sind deutlich schwieriger zu bewältigen. Wie lernen Studierende mit Allergie, wenn die Luft voller Pollen ist? campus a hat nachgefragt.
David ist 24 Jahre alt und studiert Psychologie an der Uni Wien. In der Bibliothek merkt er die Allergie sofort: „Ich sitze dort und bin gerade im Fokus. Auf einmal muss ich alle paar Minuten niesen. Irgendwann bin ich dann raus aus dem Flow“, sagt er.
Für ihn ist das Lernen in dieser Zeit kompliziert. „Sobald die Pollensaison losgeht, leidet mein Studium“, sagt er.
Neben den Niesattacken mache ihm vor allem die Müdigkeit zu schaffen. Bevor er in die Bibliothek geht, nimmt er häufig eine Tablette gegen die Pollenallergie. Die helfe zwar gegen die Symptome, mache ihn aber auch schläfrig. Konzentriertes Lernen fällt da schwer.
„Besonders problematisch wird es zu Beginn der Pollensaison, wenn noch Klausuren aus dem Wintersemester anstehen“, sagt er. Längere Zeit am Stück zu lernen, falle ihm dann schwer, stattdessen müsse er immer wieder Pausen einlegen, um sich zu erholen und die Konzentration zurückzugewinnen.
Ähnliche Erfahrungen macht Marlene. Die 23-Jährige studiert Publizistik. Ihre Pollenallergie begleitet sie schon seit der Volksschule. „Ab März geht es so richtig los mit meinen Symptomen“, erzählt sie. Sobald sie draußen sei, beginnen Niesen, tränende Augen und Husten.
Während der Saison merke sie deutlich, wie die Allergie ihre Leistungsfähigkeit beeinflusst. ,,Ich bin extrem müde und erschöpft während der Vorlesungen. Meine Konzentration ist dann vielleicht bei 40 Prozent. Ich brauche für den gleichen Stoff viel länger.“ Auch während Prüfungen spüre sie die Auswirkungen. „Ich habe das Gefühl, ich kann nicht voll dabei sein.“
Manchmal gehe sie auch gar nicht in die Bibliothek. Die Symptome sind dann zu stark. Marlene bleibt dann zuhause. „Es geht dann einfach nicht anders. Es ist schlimm“, erzählt sie. Manchmal komme sie dann gar nicht zum Lernen, schon am Morgen sei sie zu erschöpft.
Eine Erleichterung bringt für sie oft das Wetter: „Wenn es ein paar Tage regnet, ist die Luft sauberer. Dann kann ich rausgehen und mich wieder besser konzentrieren.“
Auch die Wissenschaft bestätigt die Aussagen der Studierenden. Eine im Jahr 2025 im Fachjournal Environmental Epidemiology veröffentlichte Studie zeigt: Eine hohe Pollenbelastung steht im Zusammenhang mit schlechterer kognitiver Leistung. Besonders bei Allergikern verschlechterten sich Konzentration und Denkgeschwindigkeit an Tagen mit viel Pollenbelastung.
Seit einigen Jahren gehört die Pollensaison auch für Lilly zum Studienalltag. Von ihrer Allergie weiß sie seit vier Jahren, doch inzwischen beeinflusst sie ihre Lernphasen deutlich.
Die Niesattacken seien besonders belastend. „Manchmal muss ich zehnmal hintereinander niesen“, erzählt sie. In der Bibliothek ist das oft unangenehm. „Alle denken dann, ich bin krank.“
Zusätzlich erschweren Medikamente auch ihren Lernalltag, denn Lilly nimmt häufig das Antihistaminikum Cetirizin. „Die Tablette hilft zwar gegen die Niesattacken und den Juckreiz, aber sie macht mich müde“, sagt sie. „Manchmal sitze ich da und merke, wie ich mich nicht mehr fokussieren kann.“ Trotzdem lässt sich Lilly nicht vom Studium abhalten. „Für mich ist es keine Option, wegen der Allergie irgendetwas nicht zu tun.“
Auch aus medizinischer Sicht sind die Auswirkungen von Allergien auf Lernen und Konzentration klar belegt. Felix Wantke vom Floridsdorfer Allergieambulatorium betont, allergische Erkrankungen verursachten weit mehr als nur lästige Symptome.
„Allergien führen nicht nur zu Beschwerden wie Niesen, Atemnot oder Juckreiz, sondern beeinträchtigen auch die Schlafqualität erheblich“, so Wantke. Durch verstopfte Nasen, nächtliche Atemprobleme oder Juckreiz leide der Schlaf. Die Folge seien Müdigkeit und verminderte Konzentrationsfähigkeit am Tag. Das könne sich besonders auf Prüfungsleistungen auswirken.
Fritz Horak, ärztlicher Leiter des Allergiezentrums Wien West, bestätigt diese Einschätzung. Pollenallergien könnten zu Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und erhöhter Reizbarkeit führen. Alles Faktoren, die sich negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Eine geeignete Behandlung zielt darauf ab, die Symptome wirksam zu kontrollieren und den Betroffenen einen möglichst beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen. Das Ziel ist klar: Allergien sollen weder die Lebensqualität noch den Lernerfolg beeinträchtigen“, betont Horak.
Zwischen Müdigkeit, Niesattacken und Konzentrationsproblemen versuchen viele Studierende, ihren Lernalltag während der Pollensaison so gut wie möglich zu organisieren. Pausen, andere Lernzeiten oder Medikamente können die Symptome zwar etwas lindern, ganz ausschalten aber selten. Für Lilly bleibt deshalb nur die Aussicht auf das Ende der Allergiezeit. „Die Zeit geht irgendwann vorbei. Im Endeffekt ist es nur ein schönes Zeichen: Der Sommer kommt endlich“.
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